Unternehmerische Identität entwickeln: Wer möchtest du werden?

Unternehmertum beginnt nicht immer mit einer Geschäftsidee.

Manchmal beginnt es mit einer viel grundsätzlicheren Frage:

Wer möchte ich als Unternehmer eigentlich werden?

Diese Frage klingt zunächst vielleicht etwas philosophisch. In der Praxis ist sie aber erstaunlich wichtig.

Denn irgendwann entscheidet sich fast jeder Unternehmer zwischen zwei unterschiedlichen Wegen.

Der erste Weg lautet:

„Was muss ich tun, damit mein Unternehmen funktioniert?“

Der zweite geht tiefer:

„Was für ein Unternehmer muss ich werden, damit ich das Unternehmen aufbauen kann, das ich mir vorstelle?“

Das ist ein großer Unterschied.

Denn dein Unternehmen wird nicht nur durch deine Strategie geprägt. Es wird durch deine Entscheidungen geprägt. Durch deine Standards. Durch deine Risikobereitschaft. Durch deinen Umgang mit Menschen. Durch deine Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Durch deine Bereitschaft, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen.

Und vor allem:

Durch die Person, die du im Laufe dieses Prozesses wirst.

Ich glaube deshalb, dass Unternehmertum nicht nur eine wirtschaftliche Entwicklung ist.

Es ist auch eine persönliche Entwicklung.

Du startest vielleicht als jemand, der eine Leistung verkauft.

Dann wirst du zum Selbstständigen.

Irgendwann vielleicht zum Unternehmer.

Später zum Unternehmer, der andere Menschen führt.

Und irgendwann vielleicht zum Owner, der nicht mehr jedes operative Detail selbst steuert, sondern Unternehmen, Beteiligungen, Kapital und Menschen zusammenbringt.

Diese Entwicklung passiert nicht automatisch.

Sie beginnt mit einer Entscheidung:

Wer möchtest du werden?


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Unternehmerische Identität beschreibt, wie du dich selbst als Unternehmer verstehst und welche Rolle du langfristig einnehmen möchtest.
  • Deine Identität beeinflusst deine Entscheidungen, Prioritäten und deinen Umgang mit Risiken.
  • Ein Selbstständiger denkt häufig stärker in persönlicher Leistung, ein Unternehmer zunehmend in Systemen und Unternehmenswert.
  • Die Entwicklung einer unternehmerischen Identität braucht Zeit und entsteht vor allem durch tatsächliches Handeln.
  • Du musst nicht bereits der Unternehmer sein, der du langfristig werden möchtest.
  • Ein wichtiges Ziel kann sein, vom Ausführenden zum Gestalter zu werden.
  • Langfristiges Unternehmertum bedeutet nicht nur, Einkommen zu erzielen, sondern Assets und Ownership aufzubauen.
  • Deine gewünschte Lebensweise sollte Teil deiner unternehmerischen Strategie sein.
  • Nicht jedes Wachstum ist sinnvoll, wenn es dich weiter von der gewünschten Freiheit entfernt.
  • Die zentrale Frage lautet nicht nur „Was möchte ich erreichen?“, sondern auch „Wer möchte ich auf diesem Weg werden?“

Was bedeutet unternehmerische Identität überhaupt?

Unternehmerische Identität ist kein offizieller Titel.

Du bekommst sie nicht mit der Gewerbeanmeldung.

Und auch ein bestimmter Umsatz macht dich nicht automatisch zu dem Unternehmer, der du sein möchtest.

Für mich beschreibt unternehmerische Identität vielmehr das Bild, das du von dir selbst als Unternehmer entwickelst.

Zum Beispiel:

Wie triffst du Entscheidungen?

Wie gehst du mit Unsicherheit um?

Welche Verantwortung übernimmst du?

Welche Risiken bist du bereit einzugehen?

Welche Art von Unternehmen möchtest du aufbauen?

Wie möchtest du mit Mitarbeitern, Kunden und Partnern umgehen?

Welche Rolle möchtest du im Unternehmen spielen?

Und vielleicht noch wichtiger:

Welche Art von Leben soll dein Unternehmertum überhaupt ermöglichen?

Denn ein Unternehmen kann wirtschaftlich erfolgreich sein und trotzdem überhaupt nicht zu seinem Gründer passen.


Unternehmertum ist auch Identitätsarbeit

Wenn du ein Unternehmen gründest, veränderst du nicht nur deine berufliche Situation.

Du veränderst möglicherweise deine Identität.

Am Anfang denkst du vielleicht:

„Ich kann diese Leistung anbieten.“

Später:

„Ich habe Kunden.“

Dann:

„Ich habe Mitarbeiter.“

Dann:

„Ich führe ein Unternehmen.“

Und irgendwann:

„Ich besitze ein Unternehmen.“

Das sind unterschiedliche Perspektiven.

Und mit jeder Perspektive verändert sich auch die Art, wie du Entscheidungen triffst.


Vom Ausführenden zum Gestalter

Viele Menschen starten ihr Unternehmertum über ihre eigene Fähigkeit.

Sie können etwas besonders gut.

Sie sind beispielsweise:

  • Handwerker,
  • Berater,
  • Programmierer,
  • Designer,
  • Verkäufer,
  • Techniker,
  • Fotografen,
  • Marketer,
  • Monteure,
  • Spezialisten.

Sie verkaufen zunächst ihre Leistung.

Das ist ein völlig legitimer Weg.

Aber irgendwann entsteht eine entscheidende Frage:

Will ich dauerhaft derjenige sein, der die Leistung selbst erbringt?

Oder:

Will ich ein Unternehmen aufbauen, das diese Leistung auch ohne meine permanente persönliche Mitarbeit erbringen kann?

Hier beginnt für mich ein wichtiger Schritt in der Entwicklung unternehmerischer Identität.

Du wechselst vom Ausführenden zum Gestalter.


Der Selbstständige verkauft seine Zeit – der Unternehmer baut Systeme

Natürlich ist diese Unterscheidung vereinfacht.

Aber sie verdeutlicht einen wichtigen Zusammenhang.

Wenn dein Einkommen unmittelbar davon abhängt, dass du persönlich arbeitest, ist deine Zeit ein wesentlicher Produktionsfaktor.

Wenn dagegen Mitarbeiter, Prozesse, Technologie, Marke, Vertrieb und Systeme einen Großteil der Leistung erzeugen, entsteht eine andere Struktur.

Dann wird dein Unternehmen zunehmend unabhängig von deiner persönlichen Arbeitszeit.

Das ist ein großer Schritt.

Denn plötzlich lautet die Frage nicht mehr:

„Wie kann ich mehr arbeiten?“

Sondern:

„Wie kann ich ein System bauen, das mehr leisten kann?“


Welche Rolle möchtest du langfristig spielen?

Eine der wichtigsten Fragen bei der Entwicklung deiner unternehmerischen Identität lautet:

„Welche Rolle möchte ich in fünf oder zehn Jahren in meinem Unternehmen spielen?“

Möchtest du:

Experte sein?

Dann liegt dein Schwerpunkt möglicherweise weiterhin auf deiner persönlichen Leistung.

Möchtest du:

Geschäftsführer sein?

Dann geht es stärker um Führung, Organisation und operative Unternehmenssteuerung.

Möchtest du:

Unternehmer sein?

Dann rücken Geschäftsmodell, Wachstum, Mitarbeiter, Kapital und Unternehmensentwicklung stärker in den Mittelpunkt.

Oder möchtest du langfristig:

Owner / Investor sein?

Dann verändert sich die Perspektive noch einmal.

Dann geht es zunehmend um:

  • Ownership,
  • Kapitalallokation,
  • Beteiligungen,
  • Unternehmenswert,
  • Cashflow,
  • Akquisitionen,
  • Partnerschaften.

Keine dieser Rollen ist automatisch besser.

Die entscheidende Frage ist:

Welche davon passt zu dem Leben und der unternehmerischen Zukunft, die du dir vorstellst?


Du musst nicht heute schon der Unternehmer von morgen sein

Ein Fehler besteht meiner Meinung nach darin, zu glauben, man müsse bereits am Anfang wie ein erfahrener Unternehmer handeln.

Das funktioniert selten.

Du entwickelst dich durch Erfahrung.

Du triffst Entscheidungen.

Manche funktionieren.

Andere funktionieren nicht.

Du stellst Mitarbeiter ein.

Du machst Fehler.

Du lernst zu delegieren.

Du lernst, Nein zu sagen.

Du lernst, Kunden auszuwählen.

Du lernst, Zahlen besser zu verstehen.

Du lernst, dass nicht jede Gelegenheit eine gute Gelegenheit ist.

Und irgendwann bemerkst du:

Du denkst anders als früher.

Das ist unternehmerische Entwicklung.


Identität entsteht durch Handlungen

Du kannst dir natürlich vornehmen:

„Ich werde ein strategischer Unternehmer.“

Aber dadurch bist du noch keiner.

Identität entsteht vor allem durch wiederholtes Verhalten.

Wenn du regelmäßig Verantwortung übernimmst, entwickelst du dich zu jemandem, der Verantwortung übernimmt.

Wenn du regelmäßig Entscheidungen unter Unsicherheit triffst, wirst du besser darin.

Wenn du Mitarbeiter entwickelst, wirst du zunehmend zur Führungskraft.

Wenn du Geschäftsmodelle analysierst, entwickelst du unternehmerisches Denken.

Wenn du Assets aufbaust, beginnst du in Assets zu denken.

Das ist entscheidend:

Du wirst zu dem Unternehmer, dessen Verhalten du regelmäßig praktizierst.


Welche Entscheidungen würde dein zukünftiges Ich treffen?

Eine interessante Übung ist deshalb, sich selbst aus der Zukunft zu betrachten.

Stell dir vor:

Du bist in fünf Jahren genau der Unternehmer, der du werden möchtest.

Wie arbeitest du?

Welche Aufgaben machst du noch selbst?

Welche Aufgaben hast du abgegeben?

Welche Kunden hast du?

Welche Unternehmen besitzt du?

Mit welchen Menschen arbeitest du?

Wie triffst du Entscheidungen?

Wie viel Zeit verbringst du im Tagesgeschäft?

Welche Risiken gehst du ein?

Welche Risiken gehst du bewusst nicht ein?

Und dann kommt die entscheidende Frage:

„Welche Entscheidung würde diese Version von mir heute treffen?“

Das kann eine erstaunlich gute Orientierung sein.


Deine unternehmerische Identität braucht ein Zielbild

Du brauchst nicht zwingend einen detaillierten Zehnjahresplan.

Aber ein grobes Zielbild kann enorm hilfreich sein.

Vielleicht möchtest du:

  • ein eigenes Unternehmen besitzen,
  • mehrere Unternehmen aufbauen,
  • eine Unternehmensgruppe entwickeln,
  • finanziell unabhängiger werden,
  • mehr Zeit für Familie und Reisen haben,
  • weniger operativ arbeiten,
  • mit interessanten Unternehmern zusammenarbeiten,
  • neue Geschäftsideen entwickeln,
  • Beteiligungen aufbauen,
  • langfristig Kapital investieren.

Das Zielbild muss nicht perfekt sein.

Es darf sich verändern.

Aber ohne irgendeine Vorstellung davon, wohin du möchtest, wird Unternehmertum schnell zum reinen Reagieren.


Nicht jeder Unternehmer möchte dasselbe

Das wird häufig unterschätzt.

Der eine Unternehmer möchte ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern.

Der andere möchte bewusst ein kleines, hochprofitables Unternehmen.

Der eine möchte verkaufen.

Der andere möchte für 30 Jahre halten.

Der eine möchte eine große Marke aufbauen.

Der andere möchte mehrere kleine Unternehmen besitzen.

Der eine möchte selbst CEO sein.

Der andere möchte irgendwann einen Geschäftsführer einsetzen.

Deshalb halte ich allgemeine Aussagen wie

„Ein erfolgreicher Unternehmer muss immer skalieren.“

für zu kurz gedacht.

Die wichtigere Frage ist:

„Was bedeutet Erfolg für dich?“


Unternehmerischer Erfolg muss zu deinem Leben passen

Das ist ein Punkt, den ich besonders wichtig finde.

Es bringt wenig, ein Unternehmen aufzubauen, das theoretisch großartig aussieht, aber dein gesamtes Leben auffrisst.

Wenn du zehn Jahre lang ein Unternehmen aufbaust und danach feststellst, dass du keine Zeit, keine Freiheit und keine Freude mehr hast, solltest du zumindest hinterfragen, ob das wirklich dein Ziel war.

Unternehmertum sollte nicht automatisch bedeuten:

mehr Umsatz + mehr Mitarbeiter + mehr Stress.

Vielleicht bedeutet es für dich:

mehr Ownership + mehr Freiheit + mehr Möglichkeiten.


Owner-Optionality statt nur Umsatz

Ein Begriff, den ich in diesem Zusammenhang interessant finde, ist Owner-Optionality.

Damit meine ich die Möglichkeit, aus einer starken Position heraus Entscheidungen treffen zu können.

Zum Beispiel:

  • halten,
  • verkaufen,
  • investieren,
  • reinvestieren,
  • einen Partner aufnehmen,
  • einen Geschäftsführer einsetzen,
  • ein weiteres Unternehmen kaufen,
  • ein neues Unternehmen gründen.

Diese Möglichkeiten entstehen nicht über Nacht.

Sie entstehen durch Ownership, Cashflow und Unternehmenswert.


Vom Einkommen zum Unternehmenswert

Eine unternehmerische Identität kann sich deshalb auch dadurch verändern, wie du über Geld denkst.

Am Anfang steht häufig:

„Wie viel kann ich mit meiner Arbeit verdienen?“

Später:

„Wie profitabel ist mein Unternehmen?“

Und irgendwann vielleicht:

„Welchen Wert baue ich eigentlich auf?“

Das ist ein anderer Denkrahmen.

Denn Einkommen endet normalerweise mit der Arbeitsleistung.

Ein Unternehmen kann dagegen einen Wert besitzen, der über die persönliche Arbeitszeit hinausgeht.


Warum Ownership so wichtig ist

Ownership bedeutet nicht einfach, einen bestimmten Prozentsatz auf einem Papier zu besitzen.

Es geht um die wirtschaftliche Perspektive.

Wenn du etwas aufbaust, das dauerhaft Cashflow und Unternehmenswert erzeugt, besitzt du nicht nur einen Arbeitsplatz.

Du besitzt einen Vermögenswert.

Das verändert die langfristige Perspektive.


Builder. Owner. Investor.

Ein Denkmodell, das für mich sehr gut zu dieser Entwicklung passt, lautet:

Builder. Owner. Investor.

Zuerst:

Builder.

Du baust etwas auf.

Du entwickelst ein Geschäftsmodell.

Du erzeugst Nachfrage.

Du gewinnst Kunden.

Du entwickelst Prozesse.

Du beweist, dass es funktioniert.

Dann:

Owner.

Du hältst Ownership.

Du entwickelst das Unternehmen weiter.

Du baust Unternehmenswert auf.

Und später möglicherweise:

Investor.

Du nutzt Kapital, Erfahrung und Unternehmenswert, um weitere Möglichkeiten zu finanzieren.

Neue Unternehmen.

Beteiligungen.

Akquisitionen.

Partnerschaften.

Das ist keine lineare Pflicht.

Aber es kann eine interessante langfristige Entwicklung sein.


Deine Identität beeinflusst deine Risikobereitschaft

Unternehmerische Entscheidungen sind fast immer mit Unsicherheit verbunden.

Du weißt nicht:

  • ob der Kunde kauft,
  • ob der Mitarbeiter funktioniert,
  • ob die neue Website Leads erzeugt,
  • ob das neue Produkt angenommen wird,
  • ob ein neuer Markt funktioniert,
  • ob eine Partnerschaft erfolgreich wird.

Deshalb kann unternehmerische Identität auch bedeuten:

Wie möchtest du mit Unsicherheit umgehen?

Nicht jeder Unternehmer muss besonders risikofreudig sein.

Ein guter Unternehmer kann auch sehr risikobewusst sein.

Der Unterschied besteht darin, dass er Risiken bewusst bewertet, statt sie einfach zu vermeiden.


Mut bedeutet nicht, blind ins Risiko zu springen

Mut wird im Unternehmertum manchmal falsch verstanden.

Mut bedeutet nicht:

„Ich mache einfach.“

Mut kann auch bedeuten:

„Ich weiß nicht, ob es funktioniert, aber ich teste es.“

Das ist ein großer Unterschied.

Ein kleiner Test kann sinnvoller sein als eine große Wette.


Unternehmerische Identität bedeutet auch, Nein sagen zu können

Je stärker dein Zielbild wird, desto leichter wird es manchmal, Entscheidungen zu treffen.

Wenn du weißt, wer du werden möchtest, kannst du besser beurteilen, was nicht zu dir passt.

Vielleicht passt ein Auftrag nicht.

Vielleicht passt ein Kunde nicht.

Vielleicht passt eine Geschäftsidee nicht.

Vielleicht passt ein Partner nicht.

Vielleicht passt ein Geschäftsmodell nicht zu deinem gewünschten Leben.

Dann kannst du Nein sagen.


Nicht jede Chance ist deine Chance

Das ist ein wichtiger Gedanke.

Unternehmer sehen häufig viele Möglichkeiten.

Aber genau darin liegt auch eine Gefahr.

Eine neue Geschäftsidee.

Ein interessanter Kunde.

Ein Joint Venture.

Eine neue Branche.

Ein neues Produkt.

Ein neues Projekt.

Wenn du alles interessant findest, baust du möglicherweise nichts konsequent auf.

Deshalb braucht unternehmerisches Denken auch Fokus.

Die Frage lautet:

„Ist das nur eine interessante Möglichkeit – oder passt diese Möglichkeit zu meinem langfristigen Zielbild?“


Identität hilft beim Priorisieren

Wenn du weißt:

„Ich möchte langfristig mehrere Unternehmen besitzen.“

dann bewertest du eine Geschäftsmöglichkeit anders als jemand, der einfach möglichst viel als Freelancer verdienen möchte.

Wenn du weißt:

„Ich möchte ein Unternehmen aufbauen, das ohne mich funktioniert.“

dann investierst du anders in Prozesse und Mitarbeiter.

Wenn du weißt:

„Ich möchte langfristig Investor werden.“

dann beginnst du vielleicht früher, über Cashflow und Kapitalallokation nachzudenken.


Die Frage nach dem Unternehmer, nicht nur nach dem Unternehmen

Bei einer neuen Geschäftsidee würde ich deshalb zwei Fragen stellen.

Frage 1:

Ist das ein gutes Geschäftsmodell?

Und:

Frage 2:

Passt dieses Geschäftsmodell zu dem Unternehmer, der ich werden möchte?

Diese zweite Frage wird erstaunlich selten gestellt.


Was passiert, wenn du das falsche Unternehmen aufbaust?

Du kannst ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen besitzen und trotzdem unzufrieden sein.

Vielleicht weil:

  • du die Branche nicht magst,
  • du ständig operativ arbeiten musst,
  • du mit den falschen Kunden arbeitest,
  • du keine Freiheit gewinnst,
  • du permanent Mitarbeiterprobleme lösen musst,
  • du hohe Umsätze, aber wenig Gewinn hast.

Deshalb sollte die Frage nicht nur sein:

„Kann dieses Unternehmen erfolgreich werden?“

Sondern:

„Möchte ich dieses Unternehmen wirklich besitzen?“


Unternehmerische Identität und persönliche Freiheit

Für mich gehört Freiheit deshalb zur unternehmerischen Identität.

Nicht als romantische Vorstellung.

Sondern ganz praktisch.

Freiheit bedeutet beispielsweise:

  • selbst über die eigene Zeit entscheiden zu können,
  • interessante Projekte auswählen zu können,
  • Nein sagen zu können,
  • nicht von einem einzigen Kunden abhängig zu sein,
  • nicht zwingend jeden Tag operativ arbeiten zu müssen,
  • finanzielle Entscheidungen aus einer stärkeren Position treffen zu können.

Unternehmertum kann diese Freiheit ermöglichen.

Aber es kann auch das Gegenteil bewirken.

Wenn du ein Unternehmen aufbaust, das dich vollständig abhängig macht, hast du vielleicht einen Job geschaffen, den du selbst besitzt.


Das Unternehmen sollte nicht dein Gefängnis werden

Das klingt hart.

Aber ich halte diese Frage für wichtig:

„Besitze ich mein Unternehmen – oder besitzt mein Unternehmen mich?“

Wenn du nicht weg kannst, keine Entscheidungen ohne dich funktionieren und dein Einkommen sofort wegfällt, sobald du aufhörst zu arbeiten, solltest du zumindest prüfen, wie stark diese Abhängigkeit ist.

Das ist kein Vorwurf.

Viele Unternehmen starten genau so.

Die Frage ist nur:

Soll es so bleiben?


Was möchtest du lernen?

Unternehmerische Identität entwickelt sich auch über Fähigkeiten.

Vielleicht musst du lernen:

  • zu verkaufen,
  • zu verhandeln,
  • Mitarbeiter zu führen,
  • Zahlen zu verstehen,
  • Marketing aufzubauen,
  • SEO zu verstehen,
  • Prozesse zu entwickeln,
  • Entscheidungen zu treffen,
  • Konflikte auszuhalten,
  • Verantwortung zu übernehmen.

Du musst nicht alles selbst können.

Aber du solltest wissen, was du verstehen musst.


Du musst nicht der beste Fachmann sein

Das ist eine wichtige Veränderung.

Als Selbstständiger kann dein persönliches Können der wichtigste Wert sein.

Als Unternehmer wird es zunehmend wichtiger, Menschen und Systeme miteinander zu verbinden.

Du musst nicht der beste Programmierer sein.

Du musst nicht der beste Verkäufer sein.

Du musst nicht der beste Buchhalter sein.

Aber du solltest erkennen können:

Wer kann was besonders gut – und wie kann ich daraus ein funktionierendes Unternehmen entwickeln?


Menschen werden wichtiger, wenn das Unternehmen wächst

Unternehmerische Identität bedeutet deshalb irgendwann auch:

Menschen entwickeln.

Du baust nicht mehr nur Produkte.

Du baust Teams.

Du entwickelst Verantwortlichkeiten.

Du findest Unternehmerpersönlichkeiten.

Du schaffst Strukturen, in denen andere Menschen erfolgreich sein können.

Das ist eine andere Art von Unternehmertum als reine persönliche Leistung.


Partnerschaften statt alles alleine machen

Ein weiterer Schritt kann darin liegen, nicht mehr zu glauben, dass du alles selbst machen musst.

Vielleicht besitzt du:

  • die Idee,
  • das Marktverständnis,
  • die SEO-Kompetenz,

aber jemand anderes besitzt:

  • Branchenwissen,
  • operative Erfahrung,
  • Führungskompetenz.

Dann kann eine Partnerschaft sinnvoller sein als der Versuch, alles selbst zu lernen.

Die interessante Frage lautet:

„Welche Fähigkeiten fehlen mir – und wer könnte diese Fähigkeiten mitbringen?“


Unternehmerische Identität ist kein Ego-Projekt

Es geht nicht darum, sich selbst „CEO“ zu nennen.

Es geht auch nicht darum, möglichst groß zu wirken.

Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und eine Rolle auszufüllen.

Ein Unternehmer muss nicht laut sein.

Nicht ständig auf LinkedIn posten.

Nicht eine große Marke um sich selbst bauen.

Nicht permanent über Erfolg sprechen.

Unternehmertum zeigt sich vor allem in Entscheidungen.


Wie entwickelst du deine unternehmerische Identität konkret?

Es gibt dafür keine magische Methode.

Aber einige Fragen können helfen.

Schritt 1: Definiere dein gewünschtes Leben

Bevor du dein Unternehmen definierst, überlege:

Wie möchte ich in zehn Jahren leben?

Wie viel möchtest du arbeiten?

Wo möchtest du leben?

Wie viel Freiheit möchtest du?

Welche Menschen sollen Teil deines Umfelds sein?

Welche Verantwortung möchtest du übernehmen?


Schritt 2: Definiere deine gewünschte Rolle

Möchtest du:

  • Spezialist,
  • Selbstständiger,
  • Unternehmer,
  • Geschäftsführer,
  • Owner,
  • Investor

sein?

Vielleicht mehrere dieser Rollen nacheinander.


Schritt 3: Definiere deine Standards

Was ist für dich nicht verhandelbar?

Zum Beispiel:

  • Qualität,
  • Ehrlichkeit,
  • Zuverlässigkeit,
  • Kundenorientierung,
  • Geschwindigkeit,
  • finanzielle Disziplin,
  • langfristiges Denken.

Deine Standards prägen dein Unternehmen.


Schritt 4: Definiere deine Lernfelder

Welche Fähigkeiten fehlen dir aktuell?

Vielleicht:

  • Vertrieb,
  • Führung,
  • Finanzen,
  • Strategie,
  • Marketing,
  • Technologie,
  • Verhandlung.

Dann weißt du, woran du arbeiten kannst.


Schritt 5: Handle wie der Unternehmer, der du werden möchtest

Das ist der entscheidende Schritt.

Nicht nur darüber nachdenken.

Handeln.

Wenn du strategischer Unternehmer werden möchtest, musst du strategische Entscheidungen treffen.

Wenn du führen möchtest, musst du Verantwortung abgeben.

Wenn du Owner werden möchtest, musst du Assets aufbauen.

Wenn du Investor werden möchtest, musst du lernen, Kapital zu beurteilen.


Ein persönliches Unternehmer-Manifest erstellen

Eine praktische Übung kann sein, deine eigene unternehmerische Identität auf einer Seite zu formulieren.

Zum Beispiel:

Ich möchte ein Unternehmer sein, der …

  • langfristig denkt,
  • Chancen erkennt,
  • Verantwortung übernimmt,
  • Menschen zusammenbringt,
  • profitable Unternehmen aufbaut,
  • nicht jeder kurzfristigen Gelegenheit hinterherläuft,
  • Unternehmenswert statt nur Einkommen aufbaut,
  • Entscheidungen unter Unsicherheit treffen kann,
  • aus Fehlern lernt,
  • Ownership aufbaut,
  • langfristig Freiheit gewinnt.

Das ist keine Marketingbotschaft.

Es ist eine persönliche Orientierung.


Die wichtigsten Fragen für deine unternehmerische Identität

Nimm dir ruhig einmal Zeit für diese Fragen:

  1. Wer möchte ich als Unternehmer werden?
  2. Welche Rolle möchte ich in fünf Jahren spielen?
  3. Welche Rolle möchte ich nicht mehr spielen?
  4. Möchte ich hauptsächlich selbst arbeiten oder ein System aufbauen?
  5. Welche Art von Unternehmen möchte ich besitzen?
  6. Welche Art von Leben soll mein Unternehmen ermöglichen?
  7. Welche Werte sollen mein Unternehmen prägen?
  8. Welche Risiken bin ich bereit einzugehen?
  9. Welche Risiken möchte ich vermeiden?
  10. Welche Fähigkeiten muss ich entwickeln?
  11. Welche Aufgaben möchte ich langfristig nicht mehr selbst erledigen?
  12. Welche Menschen brauche ich auf meinem Weg?
  13. Welche Geschäftsmöglichkeiten passen zu meinem Zielbild?
  14. Welche Möglichkeiten sollte ich bewusst ablehnen?
  15. Welchen Unternehmenswert möchte ich langfristig aufbauen?
  16. Möchte ich verkaufen oder langfristig besitzen?
  17. Möchte ich ein Unternehmen oder mehrere Unternehmen aufbauen?
  18. Wie viel Freiheit möchte ich tatsächlich?
  19. Was bedeutet finanzieller Erfolg für mich?
  20. Welche Entscheidung würde mein zukünftiges Ich heute treffen?

Meine persönliche Sicht auf unternehmerische Identität

Ich glaube nicht, dass man eines Morgens aufwacht und plötzlich „Unternehmer“ ist.

Zumindest empfinde ich Unternehmertum nicht so.

Für mich ist es eher eine Entwicklung.

Man probiert Dinge aus.

Man baut etwas auf.

Man macht Fehler.

Man trifft Entscheidungen.

Man lernt neue Branchen kennen.

Man entwickelt Geschäftsideen.

Man arbeitet mit Menschen.

Man stellt fest, was funktioniert und was nicht.

Und irgendwann verändert sich die eigene Perspektive.

Man denkt weniger darüber nach:

„Wie kann ich selbst mehr leisten?“

und stärker:

„Was kann ich aufbauen?“

Dann vielleicht:

„Wen kann ich dafür gewinnen?“

Und irgendwann:

„Wie kann daraus ein Unternehmen entstehen, das eigenständig Wert schafft?“

Genau diese Entwicklung finde ich persönlich spannend.

Mein langfristiges Zielbild ist nicht einfach, möglichst viele Stunden zu arbeiten oder möglichst viele Projekte gleichzeitig zu betreiben.

Ich möchte Geschäftsmöglichkeiten entwickeln, Menschen zusammenbringen und daraus Unternehmen aufbauen.

Und langfristig geht es für mich immer stärker um Ownership.

Builder. Owner. Investor.

Das ist für mich weniger ein Titel als eine Richtung.

Ich bin selbst noch in dieser Entwicklung.

Und genau deshalb finde ich die Frage nach der unternehmerischen Identität so interessant.

Denn man muss nicht bereits am Ziel sein, um zu wissen, wohin man möchte.


Du darfst deine unternehmerische Identität verändern

Vielleicht bist du heute Selbstständiger und möchtest Unternehmer werden.

Vielleicht bist du heute Unternehmer und möchtest stärker zum Owner werden.

Vielleicht führst du bereits ein Unternehmen und möchtest langfristig mehrere Unternehmen besitzen.

Vielleicht möchtest du überhaupt kein großes Unternehmen.

Auch das ist vollkommen legitim.

Deine unternehmerische Identität muss nicht zu irgendeinem allgemeinen Bild von Erfolg passen.

Sie muss zu dir passen.

Und sie darf sich verändern.

Was du mit 30 wolltest, muss nicht das sein, was du mit 40 möchtest.

Was du heute unter Freiheit verstehst, kann sich in fünf Jahren verändern.

Was heute nach Risiko aussieht, kann später eine interessante Chance sein.

Deshalb ist Identität kein starres Konzept.

Sie ist eher ein Kompass.


Fazit: Entscheide nicht nur, was du aufbauen möchtest – sondern wer du werden möchtest

Unternehmertum wird häufig über Zahlen beschrieben.

Umsatz.

Gewinn.

Mitarbeiter.

Kunden.

Wachstum.

Unternehmenswert.

Diese Zahlen sind wichtig.

Aber hinter jedem Unternehmen steht ein Mensch, der Entscheidungen trifft.

Und deshalb beginnt unternehmerische Entwicklung meiner Meinung nach mit einer anderen Frage:

Wer möchtest du werden?

Möchtest du derjenige sein, der jeden Auftrag selbst erledigt?

Oder derjenige, der ein System baut?

Möchtest du dein Einkommen maximieren?

Oder langfristig Vermögen und Unternehmenswert aufbauen?

Möchtest du nur ein Unternehmen führen?

Oder möchtest du langfristig mehrere Unternehmen besitzen?

Möchtest du alles selbst kontrollieren?

Oder möchtest du Menschen entwickeln, die Verantwortung übernehmen?

Möchtest du auf jede kurzfristige Chance reagieren?

Oder möchtest du bewusst entscheiden, welche Möglichkeiten zu deinem langfristigen Zielbild passen?

Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort.

Aber es lohnt sich, diese Fragen zu stellen.

Denn dein Unternehmen wird sich sehr wahrscheinlich in Richtung deiner Entscheidungen entwickeln.

Und deine Entscheidungen werden wiederum davon beeinflusst, wie du dich selbst als Unternehmer siehst.

Vielleicht ist deshalb die wichtigste unternehmerische Frage nicht:

„Was möchte ich erreichen?“

Sondern:

„Wer möchte ich auf dem Weg dorthin werden?“

Denn am Ende baust du nicht nur ein Unternehmen.

Du baust gleichzeitig deine eigene unternehmerische Identität auf.