Unternehmerisches Denken im Alltag: Praktische Beispiele
Unternehmerisches Denken wird häufig unnötig kompliziert dargestellt.
Es geht um Strategien, Geschäftsmodelle, Businesspläne, Investoren, Skalierung und große Visionen.
Natürlich gehören diese Themen zum Unternehmertum.
Aber wenn ich darüber nachdenke, beginnt unternehmerisches Denken für mich an einer viel einfacheren Stelle:
Im Alltag.
Wie reagierst du auf ein Problem?
Wie gehst du mit einer Chance um?
Was machst du, wenn etwas nicht funktioniert?
Stellst du nur fest, dass etwas schlecht läuft – oder fragst du dich, warum es schlecht läuft?
Siehst du einen Aufwand als notwendiges Übel oder als Hinweis auf ein besseres Geschäftsmodell?
Begegnest du einer interessanten Person und denkst nur:
„Netter Kontakt.“
Oder fragst du dich:
„Könnte daraus irgendwann eine interessante Zusammenarbeit entstehen?“
Genau dort beginnt für mich unternehmerisches Denken.
Es bedeutet nicht, dass du deinen kompletten Alltag in eine Geschäftsidee verwandeln musst.
Und es bedeutet auch nicht, dass du bei jedem Restaurantbesuch über ein neues Geschäftsmodell nachdenken solltest.
Unternehmerisches Denken bedeutet vielmehr, Situationen anders zu betrachten.
Nicht nur das Problem sehen, sondern die Ursache.
Nicht nur die Kosten sehen, sondern den möglichen Hebel.
Nicht nur die Aufgabe sehen, sondern den Prozess dahinter.
Nicht nur den heutigen Umsatz sehen, sondern den langfristigen Wert.
In diesem Artikel möchte ich deshalb nicht nur erklären, was unternehmerisches Denken bedeutet.
Ich möchte es anhand konkreter Beispiele aus dem Alltag greifbar machen.
Denn meiner Meinung nach lernt man unternehmerisches Denken nicht hauptsächlich durch theoretische Definitionen.
Man entwickelt es, indem man anfängt, die eigene Umwelt mit anderen Augen zu betrachten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Unternehmerisches Denken beginnt nicht erst mit der Gründung eines Unternehmens.
- Es zeigt sich bereits darin, wie du Probleme, Chancen, Kosten und Entscheidungen betrachtest.
- Ein Unternehmer fragt häufig nach dem Warum hinter einem Problem.
- Aus wiederkehrenden Problemen können Geschäftsmöglichkeiten entstehen.
- Unternehmerisches Denken bedeutet nicht, jede Beobachtung sofort zu monetarisieren.
- Ein wichtiger Bestandteil ist die Frage nach dem Hebel: Wie kann ich mit weniger persönlichem Aufwand mehr Wirkung erzielen?
- Auch Zeit, Prozesse, Beziehungen und Wissen können als Assets betrachtet werden.
- Unternehmerisches Denken bedeutet, kurzfristige Entscheidungen mit langfristigen Konsequenzen zu verbinden.
- Fehler können Informationen liefern, wenn man sie systematisch auswertet.
- Im Alltag lassen sich zahlreiche Situationen nutzen, um unternehmerisches Denken zu trainieren.
Was bedeutet unternehmerisches Denken eigentlich?
Unternehmerisches Denken lässt sich meiner Meinung nach schwer auf eine einzige Definition reduzieren.
Für mich bedeutet es vor allem, Verantwortung zu übernehmen und Situationen aktiv zu gestalten, statt sie nur hinzunehmen.
Ein unternehmerisch denkender Mensch fragt beispielsweise:
„Kann man das besser machen?“
Aber nicht nur.
Er fragt auch:
„Warum funktioniert es aktuell so?“
„Wer hat dieses Problem?“
„Wie häufig tritt es auf?“
„Was wäre eine bessere Lösung?“
„Wer würde dafür bezahlen?“
„Kann man diese Lösung wiederholbar machen?“
„Kann jemand anderes die Leistung erbringen?“
„Wie könnte daraus ein Geschäftsmodell entstehen?“
„Was wäre der nächste sinnvolle Test?“
Das Entscheidende ist dabei nicht, auf jede Frage sofort eine perfekte Antwort zu haben.
Es geht um die Denkweise.
Unternehmerisches Denken ist nicht dasselbe wie Geschäftemacherei
Das möchte ich ausdrücklich voneinander trennen.
Wenn du unternehmerisch denkst, musst du nicht jede Situation danach beurteilen, wie viel Geld du daraus machen kannst.
Das wäre aus meiner Sicht sogar kontraproduktiv.
Unternehmerisches Denken bedeutet nicht:
„Wie kann ich daraus möglichst schnell Geld machen?“
Sondern zunächst:
„Was passiert hier eigentlich?“
Erst wenn du eine Situation verstanden hast, kannst du überlegen, ob daraus eine Verbesserung, ein Prozess, ein Produkt oder möglicherweise sogar ein Geschäftsmodell entstehen kann.
Beispiel 1: Du bemerkst einen wiederkehrenden Fehler
Stell dir vor, du arbeitest in einem Unternehmen und bemerkst, dass jeden Montag dieselben Fragen auftauchen.
Mehrere Mitarbeiter fragen:
- Wo finde ich diese Information?
- Wer ist dafür verantwortlich?
- Wie läuft dieser Prozess?
- Welche Datei ist aktuell?
- Wer muss das freigeben?
Die klassische Reaktion könnte sein:
„Das nervt.“
Unternehmerisches Denken beginnt einen Schritt früher:
„Warum passiert das jede Woche?“
Vielleicht fehlt eine zentrale Dokumentation.
Vielleicht ist der Prozess schlecht aufgebaut.
Vielleicht sind Verantwortlichkeiten unklar.
Vielleicht fehlt ein digitales Tool.
Vielleicht wurde das Wissen nie sauber strukturiert.
Die interessante Frage ist dann nicht nur, wie du die aktuelle Frage beantwortest.
Sondern:
„Wie können wir verhindern, dass diese Frage nächste Woche wieder gestellt wird?“
Das ist bereits unternehmerisches Denken.
Vom Problem zur Struktur
Du könntest beispielsweise:
- die häufigsten Fragen sammeln,
- die Ursachen analysieren,
- Informationen zentral strukturieren,
- Verantwortlichkeiten definieren,
- einen einfachen Prozess entwickeln,
- diesen dokumentieren,
- die Wirkung beobachten.
Aus einer kleinen Alltagsbeobachtung entsteht möglicherweise eine dauerhafte Verbesserung.
Und genau so entstehen häufig Prozesse in Unternehmen.
Nicht aus großen Strategiemeetings.
Sondern aus wiederkehrenden Problemen.
Beispiel 2: Ein Dienstleister antwortet immer zu spät
Du kontaktierst einen Dienstleister.
Die Antwort kommt nach drei Tagen.
Beim nächsten Mal dauert es vier Tage.
Du bist genervt.
Die erste Reaktion könnte sein:
„Der Dienstleister ist schlecht.“
Eine unternehmerische Betrachtung geht weiter.
Warum dauert die Antwort so lange?
Ist das Unternehmen überlastet?
Gibt es keine klare Zuständigkeit?
Werden Anfragen manuell bearbeitet?
Fehlt ein CRM?
Werden Anfragen nicht priorisiert?
Ist die Nachfrage höher als die vorhandene Kapazität?
Vielleicht steckt dahinter sogar ein interessantes Geschäftsmodell.
Denn manchmal ist ein offensichtliches Kundenproblem ein Hinweis auf ein strukturelles Problem im Markt.
Beispiel 3: Du wartest irgendwo unnötig lange
Du sitzt beim Arzt.
Du wartest 45 Minuten.
Du sitzt im Restaurant.
Du wartest auf die Rechnung.
Du wartest beim Handwerker auf einen Termin.
Du wartest bei einer Behörde.
Du wartest auf einen Rückruf.
Du könntest dich einfach darüber ärgern.
Oder du stellst dir eine andere Frage:
„Warum entsteht diese Wartezeit?“
Natürlich ist nicht jede Wartezeit eine Geschäftsmöglichkeit.
Aber die Frage verändert deine Wahrnehmung.
Vielleicht liegt das Problem an fehlender Planung.
Vielleicht an unklaren Prozessen.
Vielleicht an zu wenig Personal.
Vielleicht an schlechter Kommunikation.
Vielleicht an einer falschen Terminlogik.
Vielleicht an einem Informationsproblem.
Unternehmerisches Denken bedeutet hier nicht automatisch, eine App gegen Wartezeiten zu entwickeln.
Es bedeutet zunächst:
Probleme beobachten.
Beispiel 4: Du kaufst etwas und stellst fest, dass der Kaufprozess schlecht ist
Du möchtest etwas bestellen.
Die Website ist langsam.
Die Produktinformationen fehlen.
Die Kontaktmöglichkeit ist schlecht sichtbar.
Der Checkout funktioniert nicht richtig.
Die Lieferung wird nicht ordentlich kommuniziert.
Viele Menschen sagen:
„Was für eine schlechte Website.“
Ein Unternehmer könnte zusätzlich fragen:
„Wie viele Kunden verliert dieses Unternehmen dadurch?“
Das ist ein entscheidender Perspektivwechsel.
Aus einem persönlichen Ärgernis wird eine wirtschaftliche Betrachtung.
Denn schlechte Prozesse haben häufig einen Preis.
Beispiel 5: Du bemerkst eine Dienstleistung, die niemand richtig anbietet
Du suchst eine bestimmte Leistung.
Es gibt Anbieter.
Aber keiner bietet genau das an, was du brauchst.
Vielleicht ist die Leistung:
- zu individuell
- zu klein
- regional begrenzt
- schlecht erklärt
- schlecht digital auffindbar
- nicht professionell vermarktet
Jetzt wird es interessant.
Denn eine Marktlücke muss nicht bedeuten, dass überhaupt niemand etwas anbietet.
Eine Marktlücke kann auch bedeuten:
„Die vorhandenen Anbieter lösen das Problem nicht auf eine Weise, die für einen bestimmten Kundentyp wirklich gut funktioniert.“
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Beispiel 6: Du findest etwas nicht bei Google
Du suchst eine bestimmte Dienstleistung.
Du gibst mehrere Suchbegriffe ein.
Du findest:
- schlechte Websites
- alte Webseiten
- kaum Informationen
- unklare Angebote
- wenige relevante Anbieter
Hier kann unternehmerisches Denken einsetzen.
Nicht mit dem Gedanken:
„Google ist leicht.“
Sondern:
„Es gibt offensichtlich eine Nachfrage nach dieser Information oder Leistung. Wie gut wird diese Nachfrage aktuell bedient?“
Das ist eine viel realistischere Betrachtung.
SEO als Beispiel für unternehmerisches Denken
Gerade hier sehe ich einen interessanten Zusammenhang.
SEO wird häufig als Marketingdisziplin betrachtet.
Ich sehe SEO zusätzlich als Möglichkeit, Märkte zu beobachten.
Suchanfragen können Hinweise liefern:
- Welche Probleme haben Menschen?
- Welche Dienstleistungen suchen sie?
- Welche Begriffe verwenden sie?
- Welche Fragen stellen sie?
- Welche Regionen sind relevant?
- Welche Anbieter existieren?
- Wie professionell ist der Wettbewerb?
Natürlich reicht Suchvolumen allein nicht aus.
Eine hohe Suchnachfrage bedeutet nicht automatisch ein gutes Geschäftsmodell.
Aber Suchintention kann ein Signal sein.
Und Signale sind für Unternehmer interessant.
Beispiel 7: Ein Unternehmen verkauft eine gute Leistung, ist aber digital kaum sichtbar
Du kennst einen guten Handwerker.
Seine Arbeit ist hervorragend.
Seine Kunden sind zufrieden.
Aber:
- die Website ist veraltet,
- Google wird kaum genutzt,
- Inhalte fehlen,
- die Leistungen sind nicht klar beschrieben,
- neue Kunden kommen fast ausschließlich über Empfehlungen.
Was könnte man daraus lernen?
Nicht zwingend:
„Ich gründe eine SEO-Agentur.“
Die interessantere Frage könnte sein:
„Was passiert, wenn gute operative Leistung auf bessere digitale Nachfragegenerierung trifft?“
Hier entsteht eine Schnittstelle zwischen bestehender operativer Kompetenz und digitaler Kompetenz.
Und genau diese Kombination kann unternehmerisch interessant sein.
Beispiel 8: Du erkennst eine Branche mit vielen kleinen Anbietern
Du stellst fest, dass eine Branche aus sehr vielen kleineren Unternehmen besteht.
Vielleicht gibt es:
- viele regionale Anbieter
- wenig Standardisierung
- unterschiedliche Qualitätsniveaus
- wenig digitale Sichtbarkeit
- kaum gemeinsame Strukturen
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Branche attraktiv ist.
Aber es kann eine interessante Beobachtung sein.
Dann würde ich beispielsweise fragen:
- Wie groß ist der Markt?
- Wie profitabel sind die Unternehmen?
- Warum ist die Branche fragmentiert?
- Gibt es Skalierungsmöglichkeiten?
- Gibt es Nachfolgeprobleme?
- Gibt es digitale Chancen?
- Können Unternehmen miteinander verbunden werden?
- Welche Rolle könnten Partnerschaften spielen?
Aus einer Beobachtung entsteht eine Hypothese.
Und aus einer Hypothese kann ein Test entstehen.
Beispiel 9: Du kaufst etwas regelmäßig
Du bestellst beispielsweise jeden Monat dieselbe Leistung.
Vielleicht:
- Software
- Reinigungsleistungen
- Wartung
- Logistik
- Marketing
- Handwerkerleistungen
- Verbrauchsmaterial
Du zahlst jeden Monat.
Das ist für den Kunden zunächst eine Ausgabe.
Aus unternehmerischer Sicht ist es gleichzeitig interessant, weil wiederkehrende Nachfrage existiert.
Die Frage lautet:
„Warum kauft der Kunde diese Leistung wiederholt?“
Und:
„Was müsste passieren, damit daraus ein dauerhaftes Geschäftsmodell entsteht?“
Wiederkehrende Nachfrage kann eine wichtige Grundlage für planbare Umsätze sein.
Aber auch hier gilt:
Nicht jede wiederkehrende Ausgabe ist automatisch ein attraktives Geschäftsmodell.
Beispiel 10: Du bemerkst, dass Menschen dieselbe Excel-Tabelle immer wieder bauen
Das ist ein Klassiker.
Ein Unternehmen hat beispielsweise eine Excel-Datei, die jeden Monat neu erstellt wird.
Dafür braucht jemand mehrere Stunden.
Die Daten werden aus verschiedenen Quellen zusammengesucht.
Anschließend wird alles manuell formatiert.
Dann wird die Datei verschickt.
Im nächsten Monat beginnt der Prozess von vorne.
Die naheliegende Reaktion:
„Das dauert lange.“
Unternehmerisches Denken:
„Warum wird dieser Prozess jeden Monat manuell wiederholt?“
Vielleicht lässt er sich automatisieren.
Vielleicht reicht eine bessere Datenstruktur.
Vielleicht braucht es ein anderes Tool.
Vielleicht könnte daraus sogar ein standardisiertes Produkt entstehen.
Beispiel 11: Du beobachtest eine ineffiziente Schnittstelle
Viele Probleme entstehen nicht innerhalb einzelner Arbeitsschritte.
Sie entstehen an den Übergängen.
Zum Beispiel zwischen:
- Vertrieb und Produktion
- Kunde und Dienstleister
- Hersteller und Händler
- Marketing und Vertrieb
- Auftraggeber und Auftragnehmer
- Verwaltung und operativer Leistung
Ein Team macht seine Arbeit gut.
Das andere Team ebenfalls.
Aber die Übergabe funktioniert schlecht.
Genau dort entstehen häufig:
- Verzögerungen
- Fehler
- Rückfragen
- Kosten
- Frust
Unternehmerisches Denken bedeutet, nicht nur die einzelnen Komponenten zu betrachten.
Sondern das gesamte System.
Beispiel 12: Du siehst, dass jemand etwas sehr gut kann
Vielleicht kennst du jemanden, der hervorragend organisiert.
Oder verkaufen kann.
Oder programmieren.
Oder Handwerker ist.
Oder Kundenbeziehungen aufbauen kann.
Oder eine Branche extrem gut kennt.
Eine Person allein ist noch kein Unternehmen.
Aber mehrere komplementäre Fähigkeiten können ein interessantes Team ergeben.
Hier kommt ein für mich wichtiger unternehmerischer Gedanke ins Spiel:
Nicht jede Geschäftsmöglichkeit braucht dieselbe Person.
Manchmal braucht sie die richtige Kombination aus Menschen.
Unternehmerisches Denken bedeutet auch, Menschen richtig einzuschätzen
Eine gute Geschäftsidee ist wenig wert, wenn niemand sie umsetzen kann.
Deshalb sollte man sich fragen:
- Wer kann das fachlich?
- Wer kennt den Markt?
- Wer kann verkaufen?
- Wer kann operativ führen?
- Wer kann digitale Nachfrage erzeugen?
- Wer kann Teams aufbauen?
- Wer denkt langfristig?
- Wer möchte tatsächlich Verantwortung übernehmen?
Das ist einer der Gründe, warum ich Partnerschaften im Unternehmertum interessant finde.
Ein Unternehmer muss nicht zwingend alle Fähigkeiten selbst besitzen.
Er muss auch in der Lage sein, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenzubringen.
Beispiel 13: Ein Mitarbeiter löst ein Problem auf eine bessere Weise
Du hast einen etablierten Prozess.
Ein Mitarbeiter macht etwas anders.
Zuerst denkst du vielleicht:
„Das ist nicht unser Standard.“
Dann stellt sich heraus:
Seine Variante ist schneller.
Oder günstiger.
Oder kundenfreundlicher.
Oder weniger fehleranfällig.
Hier kann unternehmerisches Denken bedeuten:
„Warum funktioniert seine Methode besser?“
Das eigene Unternehmen kann dadurch von seinen Mitarbeitern lernen.
Führung bedeutet nicht nur, Prozesse vorzugeben.
Manchmal bedeutet Führung auch, gute Ideen zu erkennen.
Beispiel 14: Ein Kunde beschwert sich
Eine Beschwerde wird häufig als Problem betrachtet.
Das kann sie natürlich sein.
Aber eine Beschwerde enthält manchmal wertvolle Informationen.
Ein Kunde sagt beispielsweise:
„Warum muss ich jedes Mal anrufen, um den Status zu erfahren?“
Die einfache Lösung:
„Wir informieren ihn beim nächsten Mal.“
Die unternehmerische Lösung:
„Warum muss überhaupt jemand anrufen, um diesen Status zu erfahren?“
Vielleicht fehlt:
- ein Tracking-System
- eine automatische E-Mail
- ein Kundenportal
- eine Statusseite
- eine bessere Kommunikation
Eine Beschwerde kann damit ein Hinweis auf eine strukturelle Verbesserung sein.
Beispiel 15: Du beobachtest deine eigenen Gewohnheiten
Unternehmerisches Denken beginnt nicht immer bei anderen.
Es kann auch bei dir selbst beginnen.
Beispielsweise:
Du erledigst jeden Montag dieselben Aufgaben.
Du öffnest dieselben Webseiten.
Du kopierst dieselben Informationen.
Du verschickst dieselben Nachrichten.
Du beantwortest dieselben Fragen.
Du erstellst dieselben Dokumente.
Dann frag dich:
„Warum mache ich das eigentlich jedes Mal manuell?“
Das ist eine der einfachsten Übungen für unternehmerisches Denken.
Automatisierung beginnt oft mit einer simplen Beobachtung
Nicht jede Aufgabe muss automatisiert werden.
Aber wiederkehrende Arbeit sollte zumindest hinterfragt werden.
Fragen können sein:
- Muss ich das überhaupt tun?
- Muss ich es so tun?
- Muss ich es selbst tun?
- Muss ich es jedes Mal neu tun?
- Kann ich es standardisieren?
- Kann ich es delegieren?
- Kann ich es automatisieren?
Diese fünf Fragen können erstaunlich viel verändern.
Beispiel 16: Du erkennst einen unnötigen Zwischenschritt
Nehmen wir einen einfachen Prozess:
Kunde → Vertrieb → Sachbearbeiter → Projektleiter → Kunde
Vielleicht ist ein Zwischenschritt historisch entstanden.
Niemand weiß mehr genau warum.
Aber er wird weiterhin durchgeführt.
Unternehmerisches Denken bedeutet:
„Welchen Wert erzeugt dieser Schritt tatsächlich?“
Wenn die Antwort lautet:
„Eigentlich keinen.“
Dann sollte man zumindest prüfen, ob dieser Schritt noch notwendig ist.
Viele Unternehmen sind über Jahre gewachsen.
Dabei entstehen Prozesse, die irgendwann niemand mehr hinterfragt.
Beispiel 17: Du bekommst eine neue Aufgabe
Ein klassischer Ansatz:
„Wie erledige ich diese Aufgabe?“
Ein unternehmerischer Ansatz:
„Warum muss diese Aufgabe überhaupt erledigt werden?“
Diese Frage kann unbequem sein.
Aber sie ist extrem wertvoll.
Denn bevor du einen Prozess optimierst, solltest du prüfen, ob du ihn überhaupt brauchst.
Beispiel 18: Du siehst ein Produkt, das unnötig kompliziert ist
Du kaufst ein Produkt.
Die Bedienung ist kompliziert.
Die Verpackung ist unnötig aufwendig.
Die Anleitung ist schwer verständlich.
Du fragst dich:
„Warum haben die das so gemacht?“
Genau hier beginnt eine interessante Denkweise.
Nicht jedes komplizierte Produkt ist schlecht.
Aber Komplexität erzeugt Kosten.
Für:
- Produktion
- Logistik
- Support
- Schulung
- Kunden
Ein Unternehmer kann deshalb fragen:
„Wie könnte man dieselbe Funktion einfacher anbieten?“
Einfachheit ist häufig ein wirtschaftlicher Vorteil.
Beispiel 19: Du siehst eine Preissteigerung
Ein Anbieter erhöht seine Preise.
Viele Kunden reagieren:
„Alles wird teurer.“
Ein Unternehmer kann zusätzlich fragen:
„Was verändert sich dadurch im Geschäftsmodell?“
Vielleicht sind die Kosten gestiegen.
Vielleicht ist die Nachfrage stark.
Vielleicht wurde die Positionierung verändert.
Vielleicht hat sich die Zielgruppe verändert.
Vielleicht versucht das Unternehmen, höhere Margen zu erzielen.
Preis ist nicht nur eine Zahl.
Preis ist ein Bestandteil des Geschäftsmodells.
Beispiel 20: Du bekommst ein Angebot und sagst sofort Nein
Auch Entscheidungen können unternehmerisch betrachtet werden.
Vielleicht bekommst du eine Anfrage.
Deine erste Reaktion:
„Das passt nicht.“
Bevor du endgültig ablehnst, könntest du fragen:
- Warum wurde ich gefragt?
- Welches Problem steckt dahinter?
- Gibt es einen anderen Ansatz?
- Ist die Anfrage vielleicht nur die Oberfläche?
- Gibt es eine größere Geschäftsmöglichkeit dahinter?
Das bedeutet nicht, jede Anfrage anzunehmen.
Es bedeutet, nicht zu schnell nur auf die offensichtliche Aufgabe zu reagieren.
Unternehmerisches Denken bedeutet nicht, jede Chance zu verfolgen
Das ist mir besonders wichtig.
Wenn du jede Chance verfolgst, entsteht kein Unternehmertum.
Es entsteht Chaos.
Unternehmerisches Denken bedeutet auch:
Nein sagen zu können.
Denn jede Entscheidung hat Opportunitätskosten.
Wenn du drei Monate an einer Geschäftsidee arbeitest, kannst du drei Monate lang etwas anderes nicht tun.
Deshalb sollte aus einer Beobachtung zunächst eine Hypothese werden.
Dann ein Test.
Und erst danach möglicherweise ein echtes Projekt.
Beispiel 21: Eine Geschäftsidee entsteht aus einem Problem
Du stellst fest, dass ein bestimmtes Problem immer wieder auftritt.
Jetzt könntest du sofort eine Firma gründen.
Ich würde eher einen Schritt zurückgehen.
Schritt 1: Problem beobachten
Tritt das Problem tatsächlich regelmäßig auf?
Schritt 2: Zielgruppe verstehen
Wer hat dieses Problem?
Schritt 3: Zahlungsbereitschaft prüfen
Ist das Problem wichtig genug, dass jemand Geld für eine Lösung bezahlt?
Schritt 4: Lösung testen
Kannst du das Problem zunächst manuell lösen?
Schritt 5: Wiederholbarkeit prüfen
Lässt sich daraus ein wiederholbarer Prozess entwickeln?
Schritt 6: Geschäftsmodell betrachten
Kann daraus langfristig ein wirtschaftlich sinnvolles Unternehmen entstehen?
Das ist für mich deutlich interessanter als:
„Ich habe eine Idee. Ich brauche jetzt eine Website.“
Beispiel 22: Du besitzt bereits Wissen, nutzt es aber nicht als Asset
Vielleicht hast du zehn Jahre Erfahrung in einer Branche.
Du kennst:
- Kunden
- Prozesse
- Anbieter
- Probleme
- typische Fehler
- Preise
- Marktstrukturen
Dieses Wissen steckt zunächst nur in deinem Kopf.
Unternehmerisches Denken bedeutet, sich zu fragen:
„Kann ich aus meinem Wissen ein Asset entwickeln?“
Vielleicht in Form von:
- Content
- einer Website
- einer Datenbank
- einem digitalen Produkt
- einer Plattform
- einer Marke
- einem Beratungsangebot
- einem Netzwerk
- einem Geschäftsmodell
Wissen ist zunächst eine Ressource.
Erst wenn es strukturiert und nutzbar gemacht wird, kann daraus ein Asset entstehen.
Beispiel 23: Du besitzt eine Domain
Eine Domain ist zunächst nur eine Domain.
Aber sie kann Ausgangspunkt für etwas Größeres sein.
Beispielsweise:
Domain
↓
Website
↓
Content
↓
SEO-Sichtbarkeit
↓
Nachfrage
↓
Leads
↓
Geschäftsmodell
↓
Unternehmen
Das bedeutet nicht, dass jede gute Domain automatisch ein Unternehmen wird.
Aber die Idee dahinter finde ich spannend:
Kapitalarme Assets können Optionen auf zukünftigen Unternehmenswert schaffen.
Beispiel 24: Du hast eine Website, aber noch kein Geschäftsmodell
Viele Menschen denken bei einer Website sofort an ein fertiges Unternehmen.
Ich sehe das anders.
Eine Website kann zunächst ein Testfeld sein.
Du kannst beispielsweise prüfen:
- Wird die Seite gefunden?
- Welche Suchbegriffe funktionieren?
- Welche Inhalte werden gelesen?
- Welche Anfragen kommen?
- Welche Leistungen interessieren?
- Welche Regionen zeigen Nachfrage?
Damit wird die Website nicht nur Marketinginstrument.
Sie wird zu einem Marktbeobachtungsinstrument.
Beispiel 25: Du beobachtest eine Suchanfrage
Jemand sucht:
„Kurierdienst Dortmund Same Day“
Oder:
„Messebauer Hamburg“
Oder:
„Photovoltaik Gewerbe Österreich“
Die Suchanfrage selbst ist noch kein Unternehmen.
Aber sie zeigt:
Jemand hat ein konkretes Problem oder einen konkreten Bedarf.
Unternehmerisches Denken bedeutet, die Verbindung herzustellen zwischen:
Problem → Nachfrage → Lösung → Anbieter → Geschäftsmodell
Genau diese Verbindung interessiert mich besonders.
Warum Beobachtung eine unternehmerische Fähigkeit ist
Viele Geschäftsmöglichkeiten entstehen nicht aus einem plötzlichen Geistesblitz.
Sie entstehen durch Aufmerksamkeit.
Du bemerkst:
- etwas funktioniert schlecht
- etwas ist unnötig kompliziert
- Menschen warten
- Informationen fehlen
- Anbieter sind schlecht erreichbar
- Nachfrage wird nicht gut bedient
- Prozesse sind ineffizient
- Unternehmen haben ähnliche Probleme
Die meisten Menschen gehen weiter.
Ein Unternehmer bleibt gedanklich kurz stehen.
Nicht um sofort ein Unternehmen zu gründen.
Sondern um die Beobachtung zu verstehen.
Unternehmerisches Denken trainieren: Die 10-Minuten-Übung
Eine einfache Übung kann sein:
Nimm dir jeden Tag zehn Minuten.
Schreibe drei Dinge auf, die dir an diesem Tag aufgefallen sind.
Zum Beispiel:
- ein schlechter Service
- ein ineffizienter Prozess
- ein gutes Produkt
- eine interessante Website
- eine häufige Kundenfrage
- ein ungelöstes Problem
- eine interessante Preisstruktur
- eine gute Geschäftsidee
- ein ungewöhnlicher Vertriebskanal
Dann frage dich bei jedem Punkt:
„Welches Problem steckt dahinter?“
Und anschließend:
„Wie könnte man es besser lösen?“
Mehr musst du zunächst gar nicht machen.
Die zweite Übung: Hinterfrage deine eigenen Kosten
Schau einmal auf deine privaten oder geschäftlichen Ausgaben.
Nicht nur mit der Frage:
„Wie kann ich weniger bezahlen?“
Sondern:
„Warum brauche ich diese Ausgabe überhaupt?“
Und:
„Welchen Wert bekomme ich dafür?“
Vielleicht stellst du fest:
- bestimmte Software wird kaum genutzt
- Prozesse könnten günstiger organisiert werden
- bestimmte Leistungen werden doppelt eingekauft
- ein Dienstleister erzeugt wenig Mehrwert
- ein teurer Prozess könnte anders gelöst werden
Kostenmanagement beginnt nicht nur beim Verhandeln.
Es beginnt beim Verstehen.
Die dritte Übung: Beobachte Unternehmen
Wenn du unternehmerisches Denken trainieren möchtest, beobachte Unternehmen.
Nicht nur große Konzerne.
Gerade kleine und mittelständische Unternehmen können interessant sein.
Frage dich:
- Wie verdient dieses Unternehmen Geld?
- Wer ist der Kunde?
- Wie kommt der Kunde zum Unternehmen?
- Welche Leistung wird verkauft?
- Wie wird der Preis bestimmt?
- Was passiert nach dem Verkauf?
- Welche Kosten entstehen?
- Wo hängt das Unternehmen vom Eigentümer ab?
- Was würde passieren, wenn der Eigentümer sechs Monate nicht arbeitet?
- Was macht das Unternehmen wertvoll?
Du musst die Antworten nicht kennen.
Das Stellen der Fragen ist bereits Training.
Die vierte Übung: Beobachte deine eigene Arbeit
Wenn du selbstständig oder Unternehmer bist, dokumentiere einmal eine normale Arbeitswoche.
Danach markierst du:
A: Muss ich selbst machen.
B: Könnte jemand anderes machen.
C: Sollte eigentlich automatisiert oder abgeschafft werden.
Das Ergebnis kann überraschend sein.
Viele Unternehmer stellen dabei fest, dass ein erheblicher Teil ihrer Arbeitszeit nicht aus strategischer Arbeit besteht.
Das ist keine Kritik.
Es ist eine Ausgangsbasis für Veränderung.
Die fünfte Übung: Frage fünfmal „Warum?“
Ein Problem tritt auf.
Nicht sofort die Lösung suchen.
Frage:
Warum?
Dann auf die Antwort wieder:
Warum?
Und noch einmal:
Warum?
Nach einigen Wiederholungen kommst du häufig näher an die eigentliche Ursache.
Beispiel:
Der Kunde beschwert sich.
Warum?
Die Lieferung war verspätet.
Warum?
Der Auftrag wurde zu spät disponiert.
Warum?
Die Information kam zu spät beim Disponenten an.
Warum?
Der Vertrieb gibt die Informationen manuell weiter.
Warum?
Es gibt keinen standardisierten Übergabeprozess.
Jetzt sieht das Problem völlig anders aus.
Die Lösung ist nicht:
„Der Disponent muss schneller arbeiten.“
Die Lösung könnte ein besserer Übergabeprozess sein.
Unternehmerisches Denken bedeutet Ursache statt Symptom
Das ist vielleicht eine der wichtigsten Fähigkeiten.
Ein Symptom ist sichtbar.
Die Ursache häufig nicht.
Wenn der Umsatz sinkt, ist das ein Symptom.
Warum sinkt er?
- weniger Leads?
- schlechtere Conversion?
- falsche Zielgruppe?
- höhere Preise?
- Wettbewerb?
- schlechtere Leistung?
- Marktveränderung?
Wenn Mitarbeiter kündigen, ist das ebenfalls ein Symptom.
Warum?
- Führung?
- Bezahlung?
- Arbeitsbelastung?
- fehlende Entwicklung?
- falsche Einstellung?
- schlechte Prozesse?
Unternehmerisches Denken versucht, hinter die sichtbare Oberfläche zu kommen.
Unternehmerisches Denken und langfristige Konsequenzen
Ein weiterer Unterschied ist der Zeithorizont.
Viele Entscheidungen werden kurzfristig getroffen.
Das ist manchmal notwendig.
Aber Unternehmer sollten sich zusätzlich fragen:
„Was bedeutet diese Entscheidung in einem Jahr?“
Oder:
„Was passiert, wenn ich diese Entscheidung zehnmal wiederhole?“
Ein kleiner ineffizienter Prozess ist einmal kaum relevant.
Wenn er 1.000-mal durchgeführt wird, sieht es anders aus.
Ein kleiner Kundenverlust ist einmal nicht dramatisch.
Wenn er jeden Monat passiert, wird daraus ein strukturelles Problem.
Ein guter Mitarbeiter, dem du keine Verantwortung gibst, kann langfristig unzufrieden werden.
Eine kleine Abhängigkeit von einer Person kann sich später zu einem erheblichen Risiko entwickeln.
Unternehmer denken deshalb nicht nur in einzelnen Ereignissen.
Sie denken in Wiederholungen.
Unternehmerisches Denken bedeutet auch, in Assets zu denken
Eine interessante Frage ist:
„Was bleibt übrig, wenn die heutige Arbeit erledigt ist?“
Wenn du heute zehn Stunden arbeitest und morgen wieder zehn Stunden arbeiten musst, hast du möglicherweise vor allem Arbeitsleistung verkauft.
Wenn du dagegen während deiner Arbeit etwas aufbaust, das auch später Wert besitzt, kann etwas anderes entstehen.
Zum Beispiel:
- Prozesse
- Content
- Marken
- Kundenbeziehungen
- Daten
- Software
- Netzwerke
- Systeme
- Mitarbeiterkompetenz
- digitale Sichtbarkeit
Das bedeutet nicht, dass jede Arbeit ein Asset werden muss.
Aber die Frage ist interessant:
„Baue ich gerade nur Umsatz – oder baue ich gleichzeitig etwas auf, das langfristig Wert besitzt?“
Unternehmerisches Denken bedeutet nicht, immer langfristig zu denken
Auch hier braucht es Balance.
Ein Unternehmen muss heute Rechnungen bezahlen.
Cashflow ist wichtig.
Kunden müssen betreut werden.
Mitarbeiter müssen bezahlt werden.
Lieferanten müssen bezahlt werden.
Unternehmerisches Denken bedeutet nicht, zehn Jahre lang nur auf zukünftigen Unternehmenswert zu hoffen.
Es bedeutet:
Heute operativ funktionieren und gleichzeitig morgen vorbereiten.
Cashflow und langfristiger Unternehmenswert sind keine Gegensätze.
Ein gesundes Unternehmen sollte idealerweise beides entwickeln.
Von der Beobachtung zur Geschäftsmöglichkeit
Ich würde den Prozess vereinfacht so betrachten:
1. Beobachten
Etwas fällt dir auf.
↓
2. Problem verstehen
Was funktioniert eigentlich nicht?
↓
3. Zielgruppe identifizieren
Wer hat dieses Problem?
↓
4. Nachfrage prüfen
Wie relevant ist das Problem?
↓
5. Lösung entwickeln
Wie könnte man es besser machen?
↓
6. Testen
Kann jemand dafür bezahlen?
↓
7. Wiederholbarkeit prüfen
Kann man die Lösung mehrfach anbieten?
↓
8. Geschäftsmodell entwickeln
Wie entsteht Umsatz und Cashflow?
↓
Welche Menschen, Prozesse und Systeme werden benötigt?
↓
10. Ownership entwickeln
Kann daraus langfristiger Unternehmenswert entstehen?
Das ist für mich wesentlich interessanter als die Vorstellung, dass ein Unternehmer einfach „gute Ideen“ haben muss.
Nicht jede Beobachtung ist eine Geschäftsmöglichkeit
Das ist ein wichtiger Realitätscheck.
Du kannst jeden Tag hundert Probleme beobachten.
Nur sehr wenige davon sind gute Geschäftsgelegenheiten.
Deshalb müssen weitere Fragen folgen:
- Ist das Problem relevant?
- Gibt es genügend Betroffene?
- Gibt es Zahlungsbereitschaft?
- Gibt es Wettbewerb?
- Warum wurde das Problem bisher nicht besser gelöst?
- Sind die Margen interessant?
- Ist die Leistung skalierbar?
- Wie hoch ist der operative Aufwand?
- Welche Kompetenzen werden benötigt?
- Wie groß ist der Markt?
- Welche Risiken bestehen?
Unternehmerisches Denken bedeutet also nicht nur, Chancen zu sehen.
Es bedeutet auch, Chancen kritisch zu prüfen.
Unternehmerisches Denken heißt auch, „Nein“ zu sagen
Wenn du ständig neue Geschäftsmöglichkeiten siehst, entsteht eine Gefahr:
Du wirst zum Sammler von Ideen.
Eine Idee nach der anderen.
Eine Website nach der anderen.
Eine Domain nach der anderen.
Ein Projekt nach dem anderen.
Aber nichts wird wirklich groß.
Deshalb gehört zu unternehmerischem Denken auch Fokus.
Eine Möglichkeit ist erst dann wertvoll, wenn du entscheidest, was du damit machst.
Manchmal ist die richtige Entscheidung:
„Interessant. Aber nicht jetzt.“
Das ist keine Niederlage.
Es ist Kapitalallokation.
Mein persönlicher Blick darauf
Ich finde gerade diese Verbindung zwischen kleinen Beobachtungen und langfristigem Unternehmensaufbau interessant.
Viele Dinge, mit denen ich mich beschäftige, beginnen nicht mit einem fertigen Businessplan.
Sie beginnen mit einer Beobachtung.
Eine Branche.
Eine Suchanfrage.
Eine Website.
Eine Dienstleistung.
Ein Problem.
Ein Gespräch.
Ein Kontakt.
Eine ineffiziente Struktur.
Daraus entsteht zunächst eine Frage.
Dann vielleicht eine Hypothese.
Und irgendwann möglicherweise ein Projekt.
Ob daraus tatsächlich ein Unternehmen entsteht, weiß man am Anfang nicht.
Und genau das finde ich spannend.
Für mich muss nicht jede Geschäftsmöglichkeit sofort ein fertiges Unternehmen sein.
Sie kann zunächst eine Option auf zukünftigen Unternehmenswert sein.
Vielleicht entwickelt sich daraus ein Unternehmen.
Vielleicht wird ein Partner gefunden.
Vielleicht wird das Projekt später weiterentwickelt.
Vielleicht entsteht ein Joint Venture.
Vielleicht wird die Idee auch wieder verworfen.
Entscheidend ist für mich zunächst, Möglichkeiten zu erkennen und sinnvoll zu testen.
Builder statt Zuschauer
Unternehmerisches Denken verändert meiner Meinung nach auch die persönliche Haltung.
Du wartest weniger darauf, dass jemand anderes ein Problem löst.
Du fragst eher:
„Was kann ich dazu beitragen?“
Du wartest weniger auf perfekte Bedingungen.
Du fragst:
„Was kann ich mit den vorhandenen Ressourcen testen?“
Du wartest weniger auf die perfekte Geschäftsidee.
Du fragst:
„Welches Problem kann ich besser verstehen?“
Du wartest weniger darauf, dass jemand dir einen Weg vorgibt.
Du entwickelst deinen eigenen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Unternehmer werden muss.
Aber diese Denkweise kann auch außerhalb eines eigenen Unternehmens wertvoll sein.
Unternehmerisches Denken kann man lernen
Ich glaube nicht, dass man als Unternehmer geboren werden muss.
Natürlich gibt es Menschen mit bestimmten Eigenschaften, die ihnen helfen.
Risikobereitschaft.
Neugier.
Energie.
Entscheidungsfreude.
Durchhaltevermögen.
Aber viele unternehmerische Fähigkeiten lassen sich entwickeln.
Zum Beispiel:
- Probleme analysieren
- Chancen erkennen
- Entscheidungen treffen
- Prioritäten setzen
- Prozesse verstehen
- Geschäftsmodelle analysieren
- Kunden verstehen
- wirtschaftliche Zusammenhänge erkennen
- Verantwortung übernehmen
- mit Unsicherheit umgehen
Und vieles davon beginnt im Alltag.
Eine einfache Denkweise für jeden Tag
Wenn du unternehmerisches Denken trainieren möchtest, kannst du dir jeden Tag fünf Fragen stellen:
1. Was hat heute nicht gut funktioniert?
Suche ein konkretes Problem.
2. Warum hat es nicht funktioniert?
Suche nach der Ursache.
3. Wer hat dieses Problem noch?
Denke über die einzelne Situation hinaus.
4. Wie könnte man es besser lösen?
Entwickle eine mögliche Lösung.
5. Ist daraus überhaupt eine wirtschaftlich sinnvolle Möglichkeit?
Jetzt kommt die unternehmerische Bewertung.
Du musst daraus nicht sofort ein Unternehmen machen.
Aber du trainierst damit deine Wahrnehmung.
Das Ziel ist nicht, überall Geschäftsmöglichkeiten zu sehen
Das Ziel ist meiner Meinung nach etwas anderes.
Du solltest anfangen, deine Umwelt systemischer zu betrachten.
Du siehst nicht nur einen schlechten Service.
Du siehst einen Prozess.
Du siehst nicht nur eine Wartezeit.
Du siehst eine Kapazitätsfrage.
Du siehst nicht nur eine Website.
Du siehst einen Akquisitionskanal.
Du siehst nicht nur eine Branche.
Du siehst Marktstrukturen.
Du siehst nicht nur einen Mitarbeiter.
Du siehst Fähigkeiten.
Du siehst nicht nur Kosten.
Du siehst Ressourcen.
Du siehst nicht nur Umsatz.
Du siehst Cashflow.
Du siehst nicht nur ein Unternehmen.
Du siehst ein Asset.
Und genau diese Perspektive kann unternehmerisches Denken verändern.
Fazit: Unternehmerisches Denken beginnt mit besseren Fragen
Für mich ist unternehmerisches Denken weniger eine Sammlung komplizierter Methoden als eine bestimmte Art, die Welt zu betrachten.
Nicht jedes Problem muss zu einer Geschäftsidee werden.
Nicht jede Chance muss verfolgt werden.
Nicht jede Beobachtung braucht einen Businessplan.
Aber wenn du beginnst, bessere Fragen zu stellen, verändert sich deine Wahrnehmung.
Warum funktioniert das so?
Kann man das besser machen?
Wer hat dieses Problem noch?
Was kostet dieses Problem?
Wer würde für eine Lösung bezahlen?
Kann man die Lösung wiederholbar machen?
Was bleibt von meiner Arbeit übrig?
Kann daraus ein Asset entstehen?
Welche Menschen könnten diese Fähigkeiten ergänzen?
Welchen langfristigen Wert könnte daraus entstehen?
Genau hier beginnt für mich unternehmerisches Denken.
Nicht bei der Gründung.
Nicht beim Businessplan.
Nicht beim Investor.
Sondern im Alltag.
Und vielleicht ist das sogar einer der größten Vorteile eines Unternehmers:
Du lernst irgendwann, nicht mehr nur Dinge zu sehen, wie sie sind, sondern auch darüber nachzudenken, wie sie sein könnten.
Das ist keine Garantie für Erfolg.
Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, interessante Möglichkeiten überhaupt zu erkennen.
Und aus meiner Sicht beginnt genau dort Unternehmertum.

