Viele Unternehmer kennen diesen Punkt:
Das Unternehmen wächst.
Es kommen mehr Kunden.
Es gibt mehr Aufträge.
Das Team wird größer.
Und trotzdem landen immer mehr Entscheidungen beim Unternehmer selbst.
Ein Kunde braucht eine schnelle Antwort.
Ein Mitarbeiter hat eine Frage.
Ein Angebot muss freigegeben werden.
Ein Lieferant macht Probleme.
Ein Projekt läuft nicht wie geplant.
Und plötzlich besteht der eigene Arbeitstag hauptsächlich daraus, operative Probleme zu lösen.
Das ist nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass du ein schlechtes Unternehmen aufgebaut hast.
Es kann sogar das Gegenteil bedeuten:
Dein Unternehmen ist so stark gewachsen, dass deine bisherige Rolle nicht mehr funktioniert.
Genau hier beginnt die nächste Entwicklungsstufe.
Du musst lernen, operative Verantwortung abzugeben.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Operative Verantwortung abzugeben bedeutet nicht, Kontrolle zu verlieren.
- Der Unternehmer sollte nicht dauerhaft der zentrale Problemlöser des Unternehmens sein.
- Verantwortung kann nur sinnvoll delegiert werden, wenn Ziele, Zuständigkeiten und Entscheidungsspielräume klar sind.
- Aufgaben zu delegieren ist etwas anderes, als Verantwortung zu übertragen.
- Gute Delegation beginnt mit kleinen, klar definierten Verantwortungsbereichen.
- Prozesse und Kennzahlen schaffen die notwendige Transparenz.
- Fehler gehören zum Aufbau einer verantwortungsfähigen Organisation dazu.
- Der Unternehmer gewinnt durch Delegation vor allem eines zurück: strategische Zeit.
- Das Ziel ist ein Unternehmen, das nicht jede operative Entscheidung über den Gründer laufen lassen muss.
- Operative Verantwortung abzugeben ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem skalierbaren Unternehmen.
Was bedeutet operative Verantwortung abgeben?
Es geht um mehr als das Verteilen von Aufgaben
Wenn wir über Delegation sprechen, geht es häufig um Aufgaben.
„Kannst du diese E-Mail beantworten?“
„Kannst du dieses Angebot vorbereiten?“
„Kannst du den Kunden zurückrufen?“
Das ist Aufgabenverteilung.
Operative Verantwortung abzugeben geht deutlich weiter.
Du übergibst nicht nur eine Tätigkeit.
Du übergibst einen Verantwortungsbereich.
Zum Beispiel:
„Du bist dafür verantwortlich, dass unser Neukundenprozess funktioniert und die definierten Vertriebsziele erreicht werden.“
Damit verändert sich die Rolle des Mitarbeiters.
Er wartet nicht mehr auf einzelne Anweisungen.
Er übernimmt Verantwortung für ein Ergebnis.
Warum Unternehmer operative Verantwortung so schwer abgeben
Der Gründer hat gelernt, dass er sich auf sich selbst verlassen kann
Gerade Gründer haben häufig eine hohe Eigenverantwortung.
Das ist eine Stärke.
Sie haben gelernt, Probleme selbst zu lösen.
Wenn etwas nicht funktioniert, greifen sie ein.
Wenn ein Kunde unzufrieden ist, kümmern sie sich darum.
Wenn ein Mitarbeiter ausfällt, springen sie ein.
Wenn ein Projekt in Schwierigkeiten gerät, übernehmen sie.
Diese Haltung kann ein Unternehmen in der Gründungsphase enorm voranbringen.
Mit zunehmender Größe wird sie jedoch problematisch.
Denn irgendwann bist du nicht mehr derjenige, der jedes Problem lösen sollte.
Du solltest derjenige sein, der ein Unternehmen aufbaut, das Probleme möglichst häufig ohne dich lösen kann.
Das größte Problem: Du wirst zum Engpass
Wenn jede Entscheidung bei dir landet, kann dein Unternehmen nur so schnell wachsen wie du
Stell dir vor, zehn Mitarbeiter benötigen regelmäßig deine Freigabe.
Dann bist du der zentrale Entscheidungspunkt für zehn Menschen.
Wenn daraus zwanzig Mitarbeiter werden, steigt die Zahl der Entscheidungen.
Bei fünfzig Mitarbeitern funktioniert dieses System irgendwann nicht mehr.
Du wirst zum Flaschenhals.
Entscheidungen warten.
Projekte verzögern sich.
Mitarbeiter werden abhängig.
Du arbeitest länger.
Und gleichzeitig bleibt immer weniger Zeit für die eigentliche Unternehmensentwicklung.
Ein Unternehmen kann nicht wirklich skalieren, wenn jede operative Entscheidung durch eine einzige Person laufen muss.
Der Unterschied zwischen Aufgabe, Verantwortung und Entscheidung
Diese drei Ebenen solltest du voneinander unterscheiden
Ein häufiger Fehler bei der Delegation besteht darin, nur Aufgaben zu übertragen.
Ein besseres System unterscheidet drei Ebenen.
1. Aufgabe
Jemand erledigt eine konkrete Tätigkeit.
2. Verantwortung
Jemand trägt die Verantwortung dafür, dass ein bestimmtes Ergebnis erreicht wird.
3. Entscheidungskompetenz
Jemand darf innerhalb eines definierten Rahmens selbst Entscheidungen treffen.
Erst wenn diese drei Ebenen zusammenkommen, entsteht echte operative Entlastung.
Wenn du einem Mitarbeiter zwar Verantwortung überträgst, aber jede Entscheidung selbst freigeben musst, hast du die Verantwortung nur scheinbar abgegeben.
Beginne mit einer Liste deiner operativen Aufgaben
Du kannst nur abgeben, was du sichtbar gemacht hast
Der erste Schritt ist erstaunlich einfach:
Schreibe auf, was du tatsächlich operativ machst.
Nicht nur die großen Aufgaben.
Auch die kleinen.
Zum Beispiel:
- Kundenanfragen beantworten
- Angebote prüfen
- Preise freigeben
- Lieferanten kontaktieren
- Rechnungen kontrollieren
- Mitarbeiterfragen beantworten
- Projekte koordinieren
- Termine organisieren
- Reklamationen bearbeiten
- Bestellungen freigeben
- Verträge prüfen
- operative Meetings durchführen
- Probleme zwischen Mitarbeitern lösen
Oft wird erst durch diese Liste sichtbar, wie viele operative Entscheidungen tatsächlich beim Unternehmer landen.
Teile deine Aufgaben in vier Kategorien ein
Behalten, delegieren, automatisieren oder abschaffen
Ich würde jede operative Aufgabe einer von vier Kategorien zuordnen.
Behalten:
Aufgaben, die strategisch relevant sind und bei denen deine persönliche Beteiligung einen echten Mehrwert erzeugt.
Delegieren:
Aufgaben, die andere Menschen zuverlässig übernehmen können.
Automatisieren:
Wiederkehrende Abläufe, die durch Software, KI oder andere Systeme unterstützt werden können.
Abschaffen:
Aufgaben, die eigentlich gar keinen relevanten Wert schaffen.
Gerade die letzte Kategorie wird häufig vergessen.
Nicht jede Aufgabe muss delegiert werden.
Manche Aufgaben müssen überhaupt nicht mehr existieren.
Welche Verantwortung solltest du zuerst abgeben?
Beginne nicht mit den kritischsten Aufgaben
Wenn du bisher alles selbst kontrolliert hast, solltest du nicht sofort die wichtigsten Bereiche vollständig abgeben.
Beginne mit Aufgaben, die:
- regelmäßig auftreten
- klar beschrieben werden können
- messbare Ergebnisse haben
- nicht unmittelbar strategisch entscheidend sind
- relativ geringe Risiken besitzen
- bereits von anderen Mitarbeitern vorbereitet werden können
Das schafft erste Erfahrungen mit Delegation.
Und du lernst, wie viel Kontrolle tatsächlich notwendig ist.
Verantwortung braucht ein klares Ergebnis
„Kümmere dich darum“ ist keine gute Delegation
Eine der schlechtesten Formen der Delegation ist eine unklare Anweisung.
„Kümmere dich um den Vertrieb.“
Was bedeutet das?
Mehr Anrufe?
Mehr Leads?
Mehr Angebote?
Mehr Umsatz?
Neue Kunden?
Eine klare Verantwortung braucht ein definiertes Ergebnis.
Zum Beispiel:
„Du bist für die Entwicklung unseres B2B-Vertriebs verantwortlich. Ziel ist es, innerhalb der nächsten sechs Monate einen definierten monatlichen Auftragseingang zu erreichen.“
Jetzt besteht eine Grundlage für Verantwortung.
Gib nicht nur Verantwortung ab – gib auch Entscheidungsfreiheit
Verantwortung ohne Handlungsspielraum erzeugt Frust
Stell dir vor, du überträgst einem Mitarbeiter die Verantwortung für den Einkauf.
Aber jede Bestellung über 500 Euro muss von dir freigegeben werden.
Dann bist du weiterhin der operative Entscheidungspunkt.
Deshalb braucht Verantwortung einen definierten Handlungsspielraum.
Zum Beispiel:
- Budgetrahmen
- Preisgrenzen
- Lieferantenfreigaben
- Rabattgrenzen
- Qualitätsstandards
- Eskalationsregeln
Innerhalb dieses Rahmens sollte der Verantwortliche selbst entscheiden können.
Sonst hast du Delegation ohne echte Verantwortung.
Baue klare Eskalationsregeln
Nicht jedes Problem muss beim Geschäftsführer landen
Ein gutes Unternehmen definiert, wann ein Problem eskaliert werden muss.
Zum Beispiel:
„Bis 1.000 Euro entscheidet der Projektleiter selbst.“
„Bei höheren finanziellen Auswirkungen wird die Bereichsleitung informiert.“
„Bei rechtlichen Risiken wird die Geschäftsführung einbezogen.“
Solche Regeln reduzieren unnötige Rückfragen.
Und sie schaffen Sicherheit für Mitarbeiter.
Prozesse machen Delegation einfacher
Je klarer der Prozess, desto leichter die Übergabe
Wenn eine Aufgabe immer wieder nach demselben Muster abläuft, solltest du überlegen, ob daraus ein Prozess werden kann.
Zum Beispiel:
Lead kommt herein.
Lead wird qualifiziert.
Termin wird vereinbart.
Angebot wird erstellt.
Angebot wird nachgefasst.
Auftrag wird gewonnen.
Projekt wird übergeben.
Wenn dieser Ablauf dokumentiert ist, muss nicht jedes Mal neu erklärt werden, was zu tun ist.
Prozesse reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Personen.
Dokumentiere nicht alles – dokumentiere das Richtige
Ein Unternehmen braucht kein Handbuch für jede Kleinigkeit
Manche Unternehmer machen den Fehler, sofort hunderte Seiten Prozessdokumentation zu erstellen.
Das ist häufig unnötig.
Dokumentiere zunächst die Abläufe, die:
- häufig vorkommen
- kritisch für das Unternehmen sind
- häufig Fehler verursachen
- stark vom Gründerwissen abhängen
- von mehreren Personen ausgeführt werden
Eine einfache Checkliste kann bereits sehr wertvoll sein.
Delegation funktioniert nur mit den richtigen Menschen
Nicht jede Verantwortung passt zu jedem Mitarbeiter
Operative Verantwortung abzugeben bedeutet nicht, einfach Aufgaben an irgendjemanden weiterzugeben.
Du musst berücksichtigen:
- Kompetenz
- Erfahrung
- Verantwortungsbewusstsein
- Entscheidungsfähigkeit
- Kommunikationsfähigkeit
- Motivation
- Vertrauen
Manche Menschen sind hervorragende Ausführende.
Andere können Verantwortung für einen ganzen Bereich übernehmen.
Das sind unterschiedliche Fähigkeiten.
Wenn du Verantwortung übertragen möchtest, musst du deshalb auch Menschen entwickeln, die Verantwortung übernehmen können.
Delegation ist auch eine Frage der Unternehmenskultur
Menschen übernehmen nur dann Verantwortung, wenn sie es dürfen
Du kannst auf dem Papier Verantwortlichkeiten definieren.
Wenn Mitarbeiter trotzdem für jede Kleinigkeit zum Geschäftsführer kommen müssen, verändert sich nichts.
Deshalb muss die Kultur dazu passen.
Mitarbeiter müssen wissen:
„Ich darf entscheiden.“
Und gleichzeitig:
„Ich bin auch für das Ergebnis verantwortlich.“
Diese Kombination ist entscheidend.
Du musst Fehler zulassen
Wer Verantwortung übernimmt, wird nicht immer richtig liegen
Das ist einer der schwierigsten Punkte für Unternehmer.
Wenn du Verantwortung abgibst, werden Entscheidungen getroffen, die du selbst möglicherweise anders getroffen hättest.
Manche werden besser sein.
Manche werden schlechter sein.
Manche werden falsch sein.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Fehler passieren.
Die entscheidende Frage ist:
„Was lernen wir daraus?“
Wenn jeder Fehler dazu führt, dass du die Verantwortung wieder selbst übernimmst, wird dein Unternehmen nie lernen, selbstständig zu arbeiten.
Kontrolle durch Kennzahlen statt durch Mikromanagement
Du musst nicht jede Handlung kontrollieren
Eine gute Führungskraft muss nicht wissen, was jeder Mitarbeiter jeden Tag zu jeder Uhrzeit macht.
Sie muss wissen, ob die relevanten Ergebnisse erreicht werden.
Dafür brauchst du Kennzahlen.
Je nach Bereich können das beispielsweise sein:
- Umsatz
- Deckungsbeitrag
- Auftragseingang
- Conversion Rate
- Anzahl qualifizierter Leads
- Liefertermintreue
- Reklamationsquote
- Projektmarge
- Kundenzufriedenheit
- Produktivität
Die konkreten Kennzahlen hängen vom Geschäftsmodell ab.
Das Prinzip bleibt aber gleich:
Du steuerst zunehmend über Ergebnisse statt über einzelne Handlungen.
Was du als Unternehmer weiterhin selbst entscheiden solltest
Nicht jede Verantwortung sollte delegiert werden
Operative Verantwortung abzugeben bedeutet nicht, jede Verantwortung abzugeben.
Bestimmte Themen sollten in der Regel eng mit der Geschäftsführung verbunden bleiben.
Dazu gehören beispielsweise:
- Unternehmensstrategie
- Geschäftsmodell
- Positionierung
- wichtige Investitionen
- Kapitalallokation
- Schlüsselpartnerschaften
- Führungskräfte
- Unternehmenskultur
- langfristige Unternehmensentwicklung
Die genaue Abgrenzung hängt natürlich von Größe, Struktur und Geschäftsmodell ab.
Aber grundsätzlich sollte deine Zeit dort eingesetzt werden, wo deine unternehmerische Wirkung am höchsten ist.
Die 80/20-Regel bei deiner eigenen Rolle
Frage dich: Welche 20 Prozent deiner Arbeit erzeugen 80 Prozent des strategischen Wertes?
Viele Unternehmer verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit Aufgaben, die dringend erscheinen.
Dringend bedeutet aber nicht automatisch wichtig.
Ein Mitarbeiter braucht eine schnelle Freigabe.
Eine E-Mail wartet.
Ein Kunde möchte einen Rückruf.
Ein kleines Problem muss gelöst werden.
Diese Dinge können wichtig sein.
Aber sie schaffen möglicherweise weniger langfristigen Wert als beispielsweise:
- ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln
- einen wichtigen Markt zu erschließen
- einen Schlüsselmitarbeiter einzustellen
- eine strategische Partnerschaft aufzubauen
- einen ineffizienten Prozess zu verbessern
- eine Akquisition zu prüfen
- das Unternehmen auf zukünftiges Wachstum vorzubereiten
Deine wichtigste Aufgabe ist nicht, möglichst viele Dinge zu erledigen. Deine wichtigste Aufgabe ist, die richtigen Dinge zu erledigen.
Ein praktisches Modell für die Übergabe operativer Verantwortung
Die sieben Schritte
Schritt 1: Verantwortung definieren
Was genau soll die Person oder Funktion verantworten?
Schritt 2: Ergebnis definieren
Woran erkennst du, dass die Verantwortung erfolgreich ausgeübt wird?
Schritt 3: Entscheidungsspielraum festlegen
Welche Entscheidungen darf die Person selbst treffen?
Schritt 4: Ressourcen bereitstellen
Welche Mitarbeiter, Budgets, Systeme oder Informationen werden benötigt?
Schritt 5: Prozess definieren
Welche Standards und Abläufe gibt es?
Schritt 6: Kennzahlen vereinbaren
Welche Zahlen zeigen dir, ob der Bereich funktioniert?
Schritt 7: Regelmäßig überprüfen
Delegation bedeutet nicht, dass du nie wieder hinschaust.
Du überprüfst regelmäßig die Ergebnisse und greifst nur dort ein, wo es notwendig ist.
Was passiert, wenn du operative Verantwortung erfolgreich abgibst?
Du gewinnst nicht nur Zeit, sondern unternehmerische Freiheit
Der offensichtlichste Effekt ist mehr Zeit.
Aber es geht um mehr als Zeit.
Du gewinnst Entscheidungsfreiheit.
Du gewinnst strategischen Fokus.
Du entwickelst Führungskräfte.
Du reduzierst die Abhängigkeit des Unternehmens von dir.
Und du schaffst die Grundlage für weiteres Wachstum.
Das Unternehmen wird dadurch zu einem System, das zunehmend durch mehrere Menschen getragen wird.
Genau darin liegt der eigentliche Wert guter Delegation.
Operative Verantwortung abgeben bedeutet nicht, weniger Unternehmer zu sein
Es bedeutet, deine Wirkung zu erhöhen
Manchmal entsteht bei Unternehmern das Gefühl, dass sie durch Delegation weniger leisten.
Ich sehe es anders.
Wenn du eine operative Aufgabe abgibst, die jemand anderes genauso gut erledigen kann, hast du keine unternehmerische Leistung verloren.
Du hast Kapazität gewonnen.
Diese Kapazität kannst du in die Entwicklung des Unternehmens investieren.
In neue Kunden.
In neue Geschäftsmodelle.
In Partnerschaften.
In strategische Entscheidungen.
In neue Unternehmen.
In den Aufbau von Assets.
Oder einfach in die langfristige Entwicklung deines Unternehmens.
Der eigentliche Zielzustand: Ein Unternehmen, das nicht ständig dich braucht
Unternehmerische Freiheit entsteht durch Systeme
Wenn du dauerhaft jede operative Entscheidung selbst treffen musst, besitzt du möglicherweise ein Unternehmen.
Aber dein Unternehmen besitzt dich gleichzeitig.
Das kann funktionieren.
Aber es ist nicht die Form von Unternehmertum, die ich langfristig anstreben würde.
Mich interessiert ein anderer Ansatz:
Ein Unternehmen, das durch Menschen, Prozesse, Technologie, Marken, Kundenbeziehungen und Geschäftsmodelle einen eigenständigen Wert entwickelt.
Ein Unternehmen, in dem der Unternehmer nicht jede operative Aufgabe selbst erledigen muss.
Ein Unternehmen, das wachsen kann, ohne dass die persönliche Arbeitszeit des Gründers proportional mitwächst.
Das ist für mich einer der wichtigsten Schritte vom Selbstständigen zum Unternehmer.
Mein Fazit: Gib Verantwortung ab, bevor du selbst zum Engpass wirst
Operative Verantwortung abzugeben ist kein Zeichen dafür, dass du dich aus deinem Unternehmen zurückziehst.
Es ist ein Zeichen dafür, dass du deine Rolle weiterentwickelst.
Am Anfang musst du wahrscheinlich vieles selbst machen.
Später musst du lernen, Verantwortung zu übertragen.
Danach musst du Systeme schaffen.
Und irgendwann sollte dein Unternehmen in der Lage sein, einen großen Teil des operativen Geschäfts ohne deine permanente Beteiligung zu bewältigen.
Der wichtigste Schritt besteht deshalb nicht darin, einfach weniger zu arbeiten.
Der wichtigste Schritt besteht darin, anders zu arbeiten.
Weniger Aufgaben.
Mehr Verantwortung übertragen.
Weniger Mikromanagement.
Mehr klare Systeme.
Weniger Entscheidungen selbst treffen.
Mehr Menschen befähigen.
Weniger im Unternehmen arbeiten.
Mehr am Unternehmen arbeiten.
Denn dein Ziel sollte nicht sein, der beste operative Mitarbeiter deines Unternehmens zu bleiben. Dein Ziel sollte sein, ein Unternehmen aufzubauen, das durch andere Menschen und Systeme immer besser funktioniert.
Genau dann entsteht echte unternehmerische Freiheit.
FAQ: Operative Verantwortung abgeben
Was bedeutet operative Verantwortung abgeben?
Operative Verantwortung abzugeben bedeutet, nicht nur einzelne Aufgaben zu delegieren, sondern einem Mitarbeiter oder einer verantwortlichen Person einen klar definierten Aufgaben- und Entscheidungsbereich zu übertragen. Dazu gehören ein erwartetes Ergebnis, notwendige Ressourcen und ein definierter Handlungsspielraum.
Warum sollten Unternehmer operative Verantwortung abgeben?
Wenn alle operativen Entscheidungen beim Unternehmer liegen, wird dieser schnell zum Engpass. Durch die Übertragung von Verantwortung können Entscheidungen schneller getroffen, Mitarbeiter entwickelt und Kapazitäten für strategische Aufgaben geschaffen werden.
Was ist der Unterschied zwischen Aufgaben delegieren und Verantwortung übertragen?
Beim Delegieren einer Aufgabe übernimmt eine Person eine konkrete Tätigkeit. Bei der Übertragung von Verantwortung übernimmt sie dagegen die Verantwortung für ein bestimmtes Ergebnis und erhält den notwendigen Entscheidungsspielraum, um dieses Ergebnis zu erreichen.
Welche Aufgaben sollte ein Unternehmer zuerst abgeben?
Geeignet sind zunächst regelmäßig wiederkehrende operative Aufgaben, die klar beschrieben werden können, messbare Ergebnisse besitzen und keine unmittelbare strategische Bedeutung haben. Dadurch kann der Unternehmer erste Erfahrungen mit Delegation sammeln.
Wie kann ich Verantwortung an Mitarbeiter übertragen?
Definiere zunächst den Verantwortungsbereich, das gewünschte Ergebnis, die Entscheidungsbefugnisse und die verfügbaren Ressourcen. Ergänze diese Punkte durch klare Kennzahlen und regelmäßige Gespräche über die Ergebnisse.
Wie verhindere ich Mikromanagement?
Indem du nicht jede einzelne Handlung kontrollierst, sondern klare Ergebnisse, Prozesse und Kennzahlen definierst. Der Mitarbeiter erhält innerhalb eines vereinbarten Rahmens Entscheidungsfreiheit und wird anhand der Ergebnisse geführt.
Was tun, wenn Mitarbeiter Entscheidungen anders treffen als ich?
Nicht jede andere Entscheidung ist eine falsche Entscheidung. Prüfe zunächst, ob das Ergebnis stimmt und ob die Entscheidung innerhalb des vereinbarten Rahmens getroffen wurde. Wenn du Verantwortung übertragen möchtest, musst du akzeptieren, dass andere Menschen manche Dinge anders lösen als du selbst.
Wie viel Kontrolle sollte ein Unternehmer behalten?
Der Unternehmer sollte vor allem dort eng involviert bleiben, wo es um Strategie, Geschäftsmodell, Kapital, wichtige Partnerschaften, Führungskräfte und die langfristige Unternehmensentwicklung geht. Operative Entscheidungen können dagegen zunehmend in die Organisation verlagert werden.
Kann man operative Verantwortung an externe Partner abgeben?
Ja. Abhängig vom Geschäftsmodell können auch externe Spezialisten, Dienstleister oder strategische Partner bestimmte operative Verantwortungsbereiche übernehmen. Entscheidend sind dabei klare Leistungsbeschreibungen, Schnittstellen, Qualitätsstandards und Verantwortlichkeiten.
Welche Rolle spielen Prozesse bei der Delegation?
Prozesse machen wiederkehrende Abläufe nachvollziehbar und reduzieren die Abhängigkeit von Einzelpersonen. Je klarer ein Prozess beschrieben ist, desto leichter lässt sich Verantwortung dafür an eine andere Person übertragen.
Warum führt Delegation nicht automatisch zu mehr Freiheit?
Wenn du lediglich Aufgaben weitergibst, aber weiterhin jede Entscheidung kontrollierst, bleibt die operative Abhängigkeit bestehen. Echte Entlastung entsteht erst, wenn auch Verantwortung und ein angemessener Entscheidungsspielraum übertragen werden.
Was ist das Ziel erfolgreicher Delegation?
Das Ziel ist nicht einfach, dass der Unternehmer weniger arbeitet. Das Ziel ist ein Unternehmen, in dem Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt ist, Entscheidungen auf der richtigen Ebene getroffen werden und der Unternehmer seine Zeit zunehmend für Strategie und Unternehmensentwicklung einsetzen kann.

