Das Wichtigste auf einen Blick
- Startups können etablierten Unternehmen zeigen, wie wichtig Geschwindigkeit und Experimentierfreude sind.
- Nicht jede Idee muss monatelang geplant werden, bevor sie getestet wird.
- Kundenfeedback sollte möglichst früh in die Entwicklung einfließen.
- Bestehende Geschäftsmodelle müssen regelmäßig hinterfragt werden.
- Digitale Nachfrage kann ein enormer Wachstumstreiber sein.
- Kleine Experimente können besser sein als große Transformationsprojekte.
- Ein Unternehmen sollte nicht nur das bestehende Geschäft optimieren, sondern auch neue Möglichkeiten entwickeln.
- Unternehmer können von Startups lernen, ohne deren komplette Kultur zu übernehmen.
- Der größte Vorteil eines etablierten Unternehmens ist nicht seine Größe, sondern die Kombination aus Erfahrung, Kunden, Cashflow und Ressourcen.
- Für mich lautet die wichtigste Erkenntnis: Nicht wie ein Startup aussehen – sondern wieder mehr wie ein Unternehmer denken.
Was ist überhaupt der Unterschied zwischen einem Startup und einem etablierten Unternehmen?
Bevor man darüber spricht, was deutsche Unternehmer von Startups lernen können, sollte man zunächst klären, was damit eigentlich gemeint ist.
Ein Startup ist nicht einfach ein junges Unternehmen
Ein junges Unternehmen kann beispielsweise ein lokaler Handwerksbetrieb sein, der gerade gegründet wurde.
Ein Startup verfolgt häufig eine andere Logik.
Es geht typischerweise darum, ein Geschäftsmodell unter Unsicherheit zu entwickeln, zu testen und – wenn es funktioniert – möglichst stark zu wachsen.
Dabei spielen Begriffe wie:
- Innovation
- Skalierbarkeit
- Technologie
- Produktentwicklung
- schnelles Lernen
- Wachstum
- Kapital
- neue Märkte
eine wichtige Rolle.
Das bedeutet aber auch:
Nicht jede Startup-Methode passt zu jedem Unternehmen.
Ein mittelständischer Maschinenbauer hat andere Anforderungen als ein Software-Startup.
Ein regionaler Gebäudedienstleister funktioniert anders als eine SaaS-Plattform.
Ein Familienunternehmen mit 80 Mitarbeitern kann nicht jede Entscheidung so treffen wie ein Team aus drei Gründern.
Und genau deshalb sollte man nicht die Oberfläche kopieren.
Man sollte die Denkweise dahinter verstehen.
1. Startups denken stärker in Experimenten
Eine der wichtigsten Dinge, die ich von Startups interessant finde, ist der Umgang mit Unsicherheit.
Nicht alles muss vorher bekannt sein
In etablierten Unternehmen gibt es häufig den Wunsch, möglichst viele Fragen vor einer Entscheidung zu beantworten.
Das klingt vernünftig.
Und teilweise ist es das auch.
Aber es gibt Situationen, in denen man bestimmte Fragen gar nicht beantworten kann, bevor man etwas ausprobiert.
Zum Beispiel:
- Wollen Kunden dieses Angebot wirklich?
- Funktioniert dieser Preis?
- Klickt jemand auf diese Landingpage?
- Wird eine bestimmte Dienstleistung tatsächlich angefragt?
- Funktioniert ein neuer Vertriebskanal?
- Interessiert sich jemand für dieses Produkt?
Hier kann ein Experiment wertvoller sein als eine lange Diskussion.
Kleine Tests statt großer Wetten
Ich finde deshalb die Logik interessant:
Hypothese → Test → Ergebnis → Lernen → nächste Entscheidung
Nicht:
Idee → Konzept → Budget → Projekt → Rollout
Natürlich braucht ein Unternehmen für große Investitionen Planung.
Aber nicht jede Frage benötigt ein großes Projekt.
Manchmal reicht ein kleiner Test.
2. Geschwindigkeit ist ein Wettbewerbsvorteil
Ein Startup hat meistens gar keine andere Möglichkeit, als schnell zu lernen.
Es hat keine jahrzehntelang gewachsenen Strukturen.
Keine großen Abteilungen.
Keine komplizierten Entscheidungswege.
Das kann ein Nachteil sein.
Aber manchmal ist es ein gewaltiger Vorteil.
Wer schneller lernt, kann schneller reagieren
Ich finde deshalb eine interessante Frage:
Wie lange braucht mein Unternehmen, um eine Idee auf den Markt zu bringen?
Nicht wie lange es theoretisch dauern müsste.
Sondern tatsächlich.
Wenn jemand heute eine Geschäftsidee hat und drei Monate später noch immer intern darüber diskutiert wird, ist das möglicherweise ein Problem.
Ein Startup hätte vielleicht bereits eine einfache Version gebaut und erste Kunden gefragt.
Geschwindigkeit bedeutet nicht Hast
Das ist mir wichtig.
Schnell sein bedeutet nicht:
- unprofessionell arbeiten
- Risiken ignorieren
- Qualität vernachlässigen
- ohne Planung handeln
Es bedeutet:
Die Zeit zwischen einer Annahme und ihrer Überprüfung möglichst kurz zu halten.
Das ist ein großer Unterschied.
3. Kundenfeedback sollte früher kommen
Startups haben häufig einen sehr direkten Kontakt zu ihren ersten Kunden.
Das ist notwendig.
Denn wenn niemand das Produkt möchte, hilft auch die beste Präsentation nicht.
Der Kunde ist der Realitätstest
Auch etablierte Unternehmen können davon profitieren.
Nicht erst fragen:
„Wie gefällt uns dieses neue Produkt?“
Sondern:
„Welches Problem löst es für den Kunden?“
Und noch besser:
„Würde der Kunde dafür tatsächlich bezahlen?“
Das sind unangenehmere Fragen.
Aber meistens die wertvolleren.
4. Nicht das Produkt verlieben – das Problem verstehen
Ein häufiger Fehler bei Innovationen ist meiner Meinung nach, dass Unternehmen sich zu stark in ihre eigene Lösung verlieben.
Eine gute Idee ist noch kein gutes Geschäftsmodell
Vielleicht entwickelt ein Unternehmen monatelang eine neue Software.
Oder einen neuen Service.
Oder ein neues Produkt.
Und irgendwann stellt sich heraus:
Der Kunde wollte eigentlich etwas ganz anderes.
Startups arbeiten häufig stärker problemorientiert.
Das bedeutet:
Problem → Kunde → Lösung → Test
statt:
Technologie → Produkt → Marketing → Kunde suchen
Diese Perspektive kann auch für etablierte Unternehmen sehr wertvoll sein.
5. Bestehende Geschäftsmodelle regelmäßig hinterfragen
Das ist vielleicht eine der schwierigsten Aufgaben für Unternehmer.
Wenn ein Geschäftsmodell funktioniert, warum sollte man es verändern?
Weil Erfolg manchmal gefährlich werden kann
Ein Unternehmen kann jahrelang erfolgreich sein.
Und genau dadurch entsteht eine bestimmte Denkweise:
„Das haben wir immer so gemacht.“
Das ist verständlich.
Aber Märkte verändern sich.
Kunden verändern sich.
Technologien verändern sich.
Wettbewerber verändern sich.
Und manchmal entstehen neue Geschäftsmodelle, die zunächst kleiner wirken, aber langfristig relevanter werden.
Die entscheidende Frage lautet
„Wenn wir unser Unternehmen heute neu gründen würden – würden wir es genauso aufbauen?“
Das ist eine unangenehme Frage.
Aber eine sehr gute.
6. Startups sind oft näher an neuen Technologien
Gerade bei Digitalisierung und KI kann man viel von Startups lernen.
Die KfW berichtet aktuell, dass rund 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen KI einsetzen. Gleichzeitig sind Unternehmen mit höherem Digitalisierungsgrad und vorhandener Digitalisierungsstrategie deutlich stärker vertreten.
Technologie sollte kein Selbstzweck sein
Dabei geht es nicht darum, jede neue Technologie einzusetzen.
Die bessere Frage ist:
„Welches Problem können wir damit besser lösen?“
KI kann beispielsweise helfen bei:
- Recherche
- Kundenservice
- Content
- Vertrieb
- Datenanalyse
- Automatisierung
- Dokumentation
- internen Prozessen
- Produktentwicklung
Aber eine KI-Strategie ohne konkreten Anwendungsfall bringt wenig.
Technologie verändert die Kostenstruktur
Das finde ich besonders interessant.
Früher benötigte man für manche Aufgaben:
- Mitarbeiter
- Büros
- Agenturen
- Software
- externe Dienstleister
Heute können manche Prozesse mit digitalen Werkzeugen deutlich schlanker aufgebaut werden.
Das eröffnet auch etablierten Unternehmen neue Möglichkeiten.
7. Kleine Teams können enorme Wirkung erzielen
Startups arbeiten häufig mit relativ kleinen Teams.
Nicht jede Aufgabe braucht eine Abteilung
Ein etabliertes Unternehmen kann mit der Zeit sehr komplex werden.
Marketing.
Vertrieb.
IT.
Controlling.
Personal.
Operations.
Produktentwicklung.
Jede Abteilung hat ihre Berechtigung.
Aber irgendwann entsteht die Gefahr, dass eine einfache Aufgabe durch zehn Schnittstellen läuft.
Startups zeigen häufig:
Kleine Teams mit klarer Verantwortung können sehr schnell Ergebnisse erzeugen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Mitarbeiter plötzlich alles machen sollte.
Es bedeutet:
- Verantwortung klar definieren.
- Entscheidungen dorthin geben, wo die Information vorhanden ist.
- Unnötige Schnittstellen vermeiden.
8. Ownership statt Abstimmung
Dieser Punkt gefällt mir besonders.
Wer verantwortlich ist, sollte auch entscheiden können
In jungen Unternehmen ist häufig klar:
Das ist das Projekt.
Das ist der Verantwortliche.
Das ist das Ziel.
Los geht’s.
In größeren Unternehmen kann dagegen passieren:
Der eine darf nicht entscheiden.
Der andere möchte nicht entscheiden.
Ein Dritter muss freigeben.
Und am Ende fühlt sich niemand wirklich verantwortlich.
Ich glaube, dass etablierte Unternehmen hier viel von Startups lernen können.
Nicht unbedingt bei der Hierarchie.
Sondern bei der Frage:
„Wem gehört dieses Ergebnis?“
9. Startups hinterfragen Bürokratie
Bürokratie entsteht selten an einem einzigen Tag.
Sie wächst.
Ein Prozess wird eingeführt.
Dann kommt eine Freigabe.
Dann ein Formular.
Dann ein Reporting.
Dann eine weitere Kontrolle.
Nach fünf Jahren weiß niemand mehr genau, warum das alles eigentlich notwendig ist.
Jeder Prozess sollte irgendwann wieder infrage gestellt werden
Eine einfache Frage kann helfen:
„Würden wir diesen Prozess heute noch einmal genauso einführen?“
Wenn die Antwort Nein lautet, sollte man überlegen, ob er noch benötigt wird.
Nicht jeder Prozess muss abgeschafft werden.
Aber jeder Prozess sollte einen Zweck haben.
10. Startups denken stärker in Produkten
Auch Dienstleistungsunternehmen können davon profitieren.
Dienstleistungen lassen sich teilweise produktisieren
Statt:
„Wir machen eigentlich alles für jeden Kunden.“
kann man beispielsweise entwickeln:
- klar definierte Pakete
- standardisierte Leistungen
- feste Prozesse
- transparente Preise
- wiederholbare Angebote
Dadurch wird aus einer individuellen Dienstleistung möglicherweise ein skalierbareres Geschäftsmodell.
Das bedeutet nicht, dass Individualität verschwindet.
Es bedeutet:
Die wiederholbaren Teile werden standardisiert.
11. Digitale Nachfrage ist ein unterschätzter Hebel
Ein Bereich, in dem ich persönlich besonders viel Potenzial sehe, ist die Verbindung von traditionellen Geschäftsmodellen mit digitaler Nachfrage.
Das Internet kann Nachfrage sichtbar machen
Menschen suchen nach Lösungen.
Nach:
- Dienstleistungen
- Produkten
- Spezialisten
- regionalen Anbietern
- B2B-Leistungen
- Problemen
- konkreten Antworten
SEO kann dabei eine wichtige Acquisition Engine sein.
Die Logik ist für mich:
Suchintention
↓
Content
↓
Sichtbarkeit
↓
Nachfrage
↓
Anfrage
↓
Kunde
↓
Cashflow
↓
Google selbst betont bei der Erstellung von Suchinhalten, dass Inhalte in erster Linie für Menschen erstellt werden sollten und einen eigenständigen, hilfreichen Mehrwert bieten müssen.
Das ist mehr als Marketing
Ich sehe SEO deshalb nicht nur als Marketingkanal.
Eine starke digitale Präsenz kann selbst zu einem Asset werden.
Eine Domain.
Eine Website.
Content.
Rankings.
Marke.
Daten.
Kundenanfragen.
Partnernetzwerk.
Diese Dinge können zusammen einen wirtschaftlichen Wert entwickeln.
12. Startups akzeptieren, dass nicht alles funktioniert
Das ist ein weiterer Punkt, den ich für sehr wichtig halte.
Nicht jede Idee muss erfolgreich sein
Wenn ein etabliertes Unternehmen eine neue Geschäftsidee entwickelt, entsteht manchmal sofort die Erwartung:
„Das muss funktionieren.“
Dadurch wird das Projekt politisch.
Niemand möchte zugeben, dass es nicht funktioniert.
Ein Startup kann leichter sagen:
„Das war unser Test. Die Hypothese war falsch. Wir machen etwas anderes.“
Natürlich ist das auch bei Startups nicht immer so.
Aber die Denkweise ist wertvoll.
Ein Experiment darf scheitern
Wenn ich 10.000 Euro investiere, um eine Geschäftsidee zu testen, und herausfinde, dass keine Nachfrage existiert, habe ich vielleicht 10.000 Euro verloren.
Aber ich habe auch etwas gekauft:
Gewissheit.
Und das kann wertvoll sein.
13. Nicht jede Innovation muss im Kernunternehmen entstehen
Hier wird es für mich besonders interessant.
Manchmal braucht eine neue Idee eine eigene Struktur
Warum?
Weil ein neues Geschäftsmodell andere Regeln haben kann.
Andere Kunden.
Andere Preise.
Andere Prozesse.
Andere Mitarbeiter.
Andere Technologie.
Andere Geschwindigkeit.
Dann kann es sinnvoll sein, eine neue Einheit oder sogar ein neues Unternehmen aufzubauen.
Das entspricht stärker einer Venture-Building-Denkweise.
14. Bestehende Unternehmen haben einen gewaltigen Vorteil
Bei all dem Startup-Lob darf man eines nicht vergessen:
Der Mittelstand besitzt Dinge, von denen Startups träumen
Ein etabliertes Unternehmen hat häufig:
- Kunden
- Cashflow
- Branchenwissen
- Mitarbeiter
- Lieferanten
- Markenbekanntheit
- Maschinen
- Daten
- Prozesse
- Vertrieb
- Beziehungen
Ein Startup beginnt oft bei null.
Deshalb wäre es meiner Meinung nach falsch, etablierte Unternehmen als „langsam und alt“ und Startups als „innovativ und schnell“ gegenüberzustellen.
Die Realität ist differenzierter.
Die Kombination ist interessant
Was passiert, wenn man:
Mittelstand + Startup-Denken
kombiniert?
Dann kann etwas sehr Interessantes entstehen.
Ein Unternehmen mit bestehenden Ressourcen.
Aber mit der Geschwindigkeit eines kleineren Teams.
15. Der vielleicht wichtigste Punkt: Ambition
Ich glaube, dass Startups Unternehmern etwas sehr Einfaches zeigen können:
Man darf ein Unternehmen größer denken.
Nicht jedes Unternehmen muss groß werden.
Aber man darf darüber nachdenken.
Was könnte aus dem Unternehmen werden?
Wenn heute ein regionaler Dienstleister existiert, könnte daraus vielleicht ein bundesweites Unternehmen entstehen.
Wenn ein Unternehmen heute nur offline arbeitet, könnte es digitale Nachfrage erschließen.
Wenn heute eine Dienstleistung verkauft wird, könnte daraus ein standardisiertes Produkt entstehen.
Wenn heute ein Unternehmen nur organisch wächst, könnten Akquisitionen später eine Rolle spielen.
Das sind Optionen.
Und genau diese Optionen finde ich unternehmerisch spannend.
16. Startups denken häufig stärker über Skalierbarkeit nach
Was funktioniert einmal – und was funktioniert 1.000-mal?
Das ist eine hervorragende unternehmerische Frage.
Wenn du jeden neuen Kunden komplett individuell bedienen musst, wächst dein Aufwand möglicherweise proportional zum Umsatz.
Wenn du dagegen Prozesse standardisieren kannst, entsteht Hebel.
Beispielsweise durch:
- Software
- Automatisierung
- Vorlagen
- Prozesse
- Partner
- Schulungen
- standardisierte Produkte
- zentrale Plattformen
Nicht jedes Unternehmen kann beliebig skalieren.
Aber jedes Unternehmen kann zumindest fragen:
„Welche Teile unseres Geschäfts lassen sich wiederholbar machen?“
17. Experimentieren sollte nicht nur Sache der Gründer sein
Innovation wird häufig als Aufgabe des Unternehmers oder der Geschäftsführung verstanden.
Ich sehe das anders.
Mitarbeiter kennen die Probleme des Unternehmens
Sie wissen:
- wo Prozesse hängen
- was Kunden nervt
- wo Zeit verloren geht
- welche Software fehlt
- welche Aufgaben unnötig kompliziert sind
- wo Wettbewerber besser sind
Diese Perspektive ist enorm wertvoll.
Unternehmer können deshalb Strukturen schaffen, in denen Mitarbeiter Ideen ausprobieren können.
Das muss nicht gleich ein großes Innovationsprogramm sein.
Manchmal reicht:
„Teste es.“
18. Ein Unternehmen braucht Raum für neue Geschäftsmöglichkeiten
Ein Problem etablierter Unternehmen ist oft die vollständige Konzentration auf das Tagesgeschäft.
Operative Arbeit gewinnt immer
Der Kunde wartet.
Die Rechnung muss raus.
Der Auftrag muss erledigt werden.
Das Team braucht Entscheidungen.
Der Unternehmer hat keine Zeit.
Und genau deshalb werden neue Geschäftsmöglichkeiten ständig verschoben.
„Machen wir später.“
Das Problem:
Später kommt selten.
Deshalb finde ich es sinnvoll, bewusst einen Teil der Aufmerksamkeit für neue Möglichkeiten zu reservieren.
19. Build – Prove – Partner – Scale
Diese Denkweise passt sehr gut zu meinem eigenen unternehmerischen Ansatz.
Build
Eine Geschäftsmöglichkeit entwickeln.
Prove
Überprüfen, ob tatsächlich Nachfrage vorhanden ist.
Partner
Wenn das Modell funktioniert, passende Unternehmerpersönlichkeiten einbinden.
Scale
Das Unternehmen systematisch weiterentwickeln.
Delegate
Operative Verantwortung übertragen.
Own
Langfristig Ownership halten und Unternehmenswert entwickeln.
Das ist für mich wesentlich interessanter als:
„Wir brauchen eine Idee und sofort einen riesigen Businessplan.“
20. Startups können den Blick auf Eigentum verändern
Viele Unternehmer denken hauptsächlich:
„Wie viel verdiene ich mit meinem Unternehmen?“
Die Startup- und Investmentwelt stellt eine andere Frage:
„Welchen Anteil an welchem Asset besitze ich?“
Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Einkommen ist wichtig – Ownership ist langfristig etwas anderes
Ein Unternehmen kann einem Unternehmer jedes Jahr ein gutes Einkommen ermöglichen.
Aber wenn das Unternehmen vollständig von seiner persönlichen Arbeit abhängt, ist der wirtschaftliche Wert möglicherweise begrenzt.
Wenn dagegen:
- Mitarbeiter Verantwortung übernehmen
- Prozesse funktionieren
- Kundenbeziehungen institutionalisiert sind
- Umsatz wiederkehrend ist
- das Unternehmen übertragbar ist
entsteht ein anderes Asset.
Genau diese Perspektive halte ich für extrem wertvoll.
21. Nicht alles selbst machen
Startups sind häufig gezwungen, mit begrenzten Ressourcen zu arbeiten.
Dadurch entsteht automatisch eine gewisse Priorisierung.
Was muss ich wirklich selbst machen?
Diese Frage sollten sich auch etablierte Unternehmer regelmäßig stellen.
Muss ich:
- jede E-Mail beantworten?
- jedes Angebot prüfen?
- jede operative Entscheidung treffen?
- jeden Prozess kontrollieren?
- jedes Problem selbst lösen?
Oder kann jemand anderes diese Verantwortung übernehmen?
Unternehmertum bedeutet für mich langfristig nicht:
möglichst viele Aufgaben selbst zu erledigen.
Sondern:
ein System zu schaffen, in dem gute Menschen gute Entscheidungen treffen können.
22. Was deutsche Unternehmer nicht von Startups übernehmen sollten
Jetzt kommt die andere Seite.
Denn Startup-Kultur wird manchmal romantisiert.
Nicht jeder Trend ist ein Fortschritt
Ich würde beispielsweise nicht automatisch übernehmen:
- Wachstum um jeden Preis
- hohe Burn Rates
- unnötige Finanzierung
- ständige Pivotierung
- Buzzwords
- extreme Arbeitszeiten
- künstliche Bewertungen
- Produktentwicklung ohne zahlende Kunden
- Expansion ohne funktionierendes Geschäftsmodell
Ein Unternehmen muss nicht cool aussehen.
Es muss funktionieren.
Profitabilität darf weiterhin wichtig sein
Das klingt banal.
Ist es aber nicht.
Umsatz ist schön.
Wachstum ist schön.
Nutzerzahlen sind schön.
Aber am Ende möchte ich wissen:
Wie verdient dieses Unternehmen Geld?
Und:
Was bleibt davon übrig?
23. Der Mittelstand sollte nicht zum Startup werden
Das ist meine vielleicht wichtigste Einschränkung.
Ein gutes Unternehmen muss nicht wie ein Startup aussehen
Ein Maschinenbauer muss kein Startup sein.
Ein Bauunternehmen muss kein Startup sein.
Ein Logistikunternehmen muss kein Startup sein.
Ein Handwerksunternehmen muss kein Startup sein.
Aber:
Sie können unternehmerischer denken.
Sie können:
- schneller testen
- digitale Kanäle nutzen
- Kunden besser verstehen
- Prozesse automatisieren
- neue Geschäftsmodelle entwickeln
- Mitarbeiter mehr Verantwortung geben
- neue Technologien ausprobieren
- bestehende Geschäftsmodelle hinterfragen
Das reicht oft schon.
24. Die interessanteste Kombination: Mittelstand + Startup-Denken
Für mich liegt hier ein enormes Potenzial.
Deutschland besitzt einen starken Mittelstand.
Unternehmen mit jahrzehntelangem Know-how.
Spezialisten.
Technologie.
Industrie.
Handwerk.
Dienstleistungen.
Logistik.
Produktion.
Warum nicht beides verbinden?
Ein etabliertes Unternehmen könnte beispielsweise:
Bestehendes Geschäft
plus
digitales Geschäftsmodell
plus
neue Vertriebskanäle
plus
Automatisierung
plus
neue Partnerschaften
kombinieren.
Das kann wesentlich interessanter sein als der Versuch, das gesamte Unternehmen einmal komplett zu „transformieren“.
25. Was ich als Unternehmer daraus mitnehme
Wenn ich darüber nachdenke, was deutsche Unternehmer tatsächlich von Startups lernen können, komme ich nicht auf 50 Methoden.
Ich komme auf einige wenige Prinzipien.
1. Teste früher
Nicht jede Entscheidung braucht sechs Monate Vorbereitung.
2. Höre genauer hin
Kunden sagen häufig sehr genau, wo Chancen liegen.
3. Denke in Experimenten
Nicht jede neue Idee braucht sofort ein großes Budget.
4. Hinterfrage dein Geschäftsmodell
Was heute funktioniert, muss nicht in zehn Jahren funktionieren.
5. Nutze Technologie als Werkzeug
Nicht wegen des Trends, sondern wegen des Problems.
6. Denke in Assets
Baue Dinge auf, die auch ohne deine tägliche Arbeitszeit Wert erzeugen können.
7. Schaffe Ownership
Verantwortung sollte dort liegen, wo Entscheidungen getroffen werden.
8. Erlaube Ambition
Du darfst dein Unternehmen größer denken.
9. Lerne schnell
Nicht jedes Experiment muss erfolgreich sein.
10. Behalte deine eigene Identität
Du musst kein Startup werden.
26. Meine persönliche Sicht: Ich möchte nicht wie ein Startup arbeiten – ich möchte wie ein Unternehmer denken
Für mich ist das der entscheidende Unterschied.
Ich möchte nicht die Startup-Kultur kopieren.
Ich brauche keinen künstlichen Hype.
Ich brauche keine Bewertung um jeden Preis.
Ich möchte keine möglichst große Organisation aufbauen, nur damit sie groß ist.
Mich interessiert etwas anderes.
Geschäftsmöglichkeiten erkennen.
Neue Geschäftsmodelle entwickeln.
Nachfrage erzeugen.
Menschen zusammenbringen.
Ownership schaffen.
Unternehmenswert entwickeln.
Und daraus langfristig neue Möglichkeiten entstehen lassen.
Das ist für mich unternehmerisches Denken.
27. Vom bestehenden Unternehmen zur nächsten Geschäftsmöglichkeit
Vielleicht liegt genau hier die größte Chance für etablierte Unternehmer.
Sie müssen nicht bei null anfangen.
Sie haben bereits einen Ausgangspunkt.
Ein bestehendes Unternehmen kann der Ausgangspunkt für ein zweites Unternehmen sein.
Oder ein neues digitales Geschäftsmodell.
Oder eine Beteiligung.
Oder ein Joint Venture.
Oder eine Akquisition.
Das Unternehmen selbst kann zum Sprungbrett werden
Ein Unternehmer besitzt beispielsweise:
- Branchenwissen
- Kundenkontakte
- Mitarbeiter
- Lieferanten
- Reputation
- Kapital
- Daten
- Marktverständnis
Warum sollte daraus nicht die nächste Geschäftsmöglichkeit entstehen?
Das ist eine Perspektive, die ich persönlich sehr interessant finde.
28. Unternehmertum bedeutet für mich: Möglichkeiten schaffen
Je länger ich mich mit Unternehmertum beschäftige, desto weniger glaube ich an den einen perfekten Businessplan.
Ich glaube vielmehr an einen Prozess:
Möglichkeit erkennen.
↓
Hypothese entwickeln.
↓
klein starten.
↓
Nachfrage testen.
↓
lernen.
↓
Geschäftsmodell verbessern.
↓
Cashflow erzeugen.
↓
Unternehmen aufbauen.
↓
Ownership entwickeln.
↓
neue Möglichkeiten schaffen.
Das ist für mich eine wesentlich interessantere Perspektive auf Unternehmertum.
Fazit: Was deutsche Unternehmer wirklich von Startups lernen können
Ich glaube nicht, dass der deutsche Mittelstand ein Startup-Problem hat.
Ich glaube eher, dass manche etablierte Unternehmen ein unternehmerisches Geschwindigkeitsproblem haben.
Sie wissen viel.
Sie haben Erfahrung.
Sie haben Kunden.
Sie haben Mitarbeiter.
Sie haben Kapital.
Sie haben Marktkenntnis.
Aber manchmal dauert es zu lange, bis aus einer Idee eine Entscheidung wird.
Genau hier können Startups einen wertvollen Impuls geben.
Nicht:
„Werdet alle Startups.“
Sondern:
„Denkt wieder mehr wie Unternehmer.“
Testet.
Lernt.
Experimentiert.
Hinterfragt.
Digitalisiert.
Vereinfacht.
Delegiert.
Baut neue Dinge.
Und vor allem:
Verwechselt das Bewahren des Bestehenden nicht mit dem Aufbau der Zukunft.
Für mich ist das die wichtigste Erkenntnis.
Ein bestehendes Unternehmen ist nicht das Ende der unternehmerischen Reise.
Es kann der Ausgangspunkt für die nächste Geschäftsmöglichkeit sein.
Und vielleicht ist genau das die interessanteste Verbindung zwischen Mittelstand und Startup-Denken:
Die Erfahrung des etablierten Unternehmers kombiniert mit der Neugier eines Gründers.
Das eine muss das andere nicht ersetzen.
Im besten Fall verstärken sie sich.

